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22.04.2016

11:07 Uhr

Spuren des Atomtests

Wo Kims Bombe detonierte 

VonLars Fischer
Quelle:Spektrum.de

Anfang Januar registrierten Seismografen die Stoßwellen von Nordkoreas viertem Atomtest. Obwohl die Bombe unterirdisch gezündet wurde, hat ein Satellit nun Spuren an der Erdoberfläche entdeckt.

Die Bewegungskarte wurde aus Radardaten errechnet und über ein digitales Höhenmodell gelegt. Das dunkelblaue Gebiet senkte sich nach dem unterirdischen Kernwaffentest um bis zu sieben Zentimeter. Die Stelle befindet sich in der Nähe eines Tunneleingangs zum Testgebiet (rechts unten). (Foto: BGR)

Radarbild des Explosionsortes

Die Bewegungskarte wurde aus Radardaten errechnet und über ein digitales Höhenmodell gelegt. Das dunkelblaue Gebiet senkte sich nach dem unterirdischen Kernwaffentest um bis zu sieben Zentimeter. Die Stelle befindet sich in der Nähe eines Tunneleingangs zum Testgebiet (rechts unten). (Foto: BGR)

HeidelbergAm 6. Januar 2016 registrierten Erdbebenmessgeräte die Stoßwellen von Nordkoreas viertem Atomtest. Schnell war anhand der gemessenen Stärke der Explosion klar, dass es sich bei der Bombe nicht wie von der Regierung des Landes behauptet um eine Wasserstoffbombe gehandelt haben kann. Der exakte Explosionsort jedoch war mit den Seismografen nicht zu bestimmen.

Das lag vor allem daran, dass selbst die nächstgelegenen Messstationen hunderte Kilometer vom Ort der Detonation entfernt waren. Größere Ungenauigkeiten sind bei solchen Entfernungen nicht zu vermeiden.

Kernwaffen

Atombombe

Als ihr wichtigster „Vater“ gilt der Amerikaner Robert Oppenheimer. Die ersten Atombombenexplosionen am 6. August 1945 in Hiroshima und drei Tage später in Nagasaki beendeten den Zweiten Weltkrieg in Asien.

Atombomben werden mit radioaktivem Plutonium oder Uran hergestellt. Die Kettenreaktion bei ihrer Explosion setzt Energie als Hitze, Druck und Strahlung frei.

In kurzer Zeit können Atomwaffen hunderttausende Menschen töten und ganze Landstriche verwüsten. Die radioaktive Strahlung verursacht gesundheitliche Langzeitschäden. Bei den Abwürfen auf japanische Städte geht man von zusammen rund 330.000 Toten aus.

Wasserstoffbombe

Die Wasserstoff-Bombe wurde unter Leitung von Edward Teller in den USA entwickelt und erstmals 1952 auf einem Atoll im Pazifik gezündet. Ihre Sprengkraft ist um ein Vielfaches stärker als die einer Atombombe.

Die H-Bombe setzt Energie aus einer unkontrollierten Kernverschmelzung (Fusion) frei. Dabei verschmelzen unter anderem Deuterium und Tritium, schwere Isotope des Wasserstoffs, zu Helium.

Zur Zündung des Fusionsgemischs sind mehr als 100 Millionen Grad erforderlich. Deshalb enthält eine H-Bombe als Zünder eine Atombombe.

Neutronenbombe

Neutronenwaffen vernichten Lebewesen, richten aber nur vergleichsweise geringe Materialschäden an. Beruht die Wirkung herkömmlicher Atomwaffen vor allem auf der Druck- und Hitzewelle, geben Neutronenwaffen den größten Teil ihrer Energie in Form harter Neutronenstrahlung ab.

Die Strahlung führt je nach Intensität innerhalb von Minuten bis Wochen zum Tod. Gebäude oder Panzer bleiben dagegen unversehrt.

Der Fallout der 1958 von dem Amerikaner Samuel Cohen entwickelten Waffe ist gering: Einen Tag nach der Explosion kann das betroffene Gebiet gefahrlos betreten werden.

Anhand von Satellitendaten des Radarspähers Sentinel-1A haben Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) nun jedoch den genauen Ort der Explosion identifizieren können. Der Satellit zeichnet bei seinen Überflügen präzise Höhendaten des Geländes auf – am 1. und am 13. Januar auch über dem Norden Nordkoreas.

Beim Vergleich der Aufnahmen vor und nach der Explosion entdeckten die Wissenschaftler, dass sich am Hang eines Berges in der Testregion eine große Fläche gesenkt hat. Der „Krater“ ist zwar nur sieben Zentimeter tief, für die empfindlichen Messgeräte von Sentinel-1A ist das Aufspüren auch solch geringer Abweichungen vom umliegenden Bodenniveau aber kein Problem.

Die Stelle liegt etwa drei Kilometer von einem bekannten Tunneleingang des nordkoreanischen Testkomplexes entfernt. Wie sich zeigte, hatten die Seismografen in diesem Fall vergleichsweise genaue Daten geliefert. Der von dem Satellit identifizierte Ort der Detonation weicht nur um etwa dreieinhalb Kilometer von der zuvor anhand seismischer Daten berechneten Stelle ab.

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