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18.08.2015

10:22 Uhr

Spuren eines Massakers

Massenmord in der Jungsteinzeit

Urzeitliche Gewaltorgie: Die Angreifer erschossen ihre Gegner wahrscheinlich mit Pfeilen aus Tierknochen oder erschlugen sie mit Steinbeilen. Wissenschaftler ermitteln in einem Massenmord aus der Jungsteinzeit.

Spuren massiver Gewalt an einem Kinderschädel, der in dem Massengrab von Schöneck-Kilianstädten gefunden wurde. dpa

Mit Steinäxten Schädel zertrümmert

Spuren massiver Gewalt an einem Kinderschädel, der in dem Massengrab von Schöneck-Kilianstädten gefunden wurde.

MainzForscher haben in der Nähe von Frankfurt am Main Hinweise auf ein steinzeitliches Massaker entdeckt. „Mindestens 26 Menschen wurden wahrscheinlich gefoltert, erschlagen und dann in eine Grube geworfen“, so der Erstautor der Studie, Christian Meyer. Nach Erkenntnissen der Wissenschaftler sind die menschlichen Überreste etwa 7000 Jahre alt und stammen damit aus der Jungsteinzeit.

Auffallend sei, dass vor allem Männer und 12 bis 13 Kinder begraben waren, erläuterte Meyer. Die einzigen beiden Frauen schätzen die Forscher auf über 40 Jahre. „Das kann bedeuten, dass die jungen Frauen von den Angreifern entführt wurden.“

Das Massengrab wurde bereits 2006 im hessischen Schöneck-Kilianstädten gefunden, aber erst später genauer unter die Lupe genommen. Meyer, der damals an der Universität Mainz forschte, präsentiert die Ergebnisse zusammen mit Kollegen in den „Proceedings“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA (Pnas).

Es gebe keine erkennbaren Spuren für ein rituelles, würdevolles Begräbnis, betont Meyer. Nicht zuletzt deshalb gehen die Forscher von einem gewaltsamen Tod aus.

„An vielen Schädeln und vor allem an den Waden- und Schienbeinen haben wir Frakturen gefunden“, so der Wissenschaftler, der sich auf die Analyse alter Knochen spezialisiert hat. „Diese Knochenbrüche müssen mit einer enormen Wucht entstanden sein.“ Vergleichbar sei diese mit der Kraft eines Autos.

Selbst nach Jahrtausenden können die Forscher solche Gewalt noch nachweisen – und das, obwohl die Knochen gar nicht so gut erhalten sind und im Boden zum Teil bereits aufgelöst wurden, wie Meyer erläutert. „Wir wissen, dass viele der Menschen mit Steingeräten erschlagen wurden und wahrscheinlich an den Schädelverletzungen gestorben sind.“ Die Beinknochen seien fast systematisch zertrümmert worden.

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