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18.10.2011

12:21 Uhr

Stammzellen-Patente

Wer schützt den Menschen vor dem Menschen?

VonFlorian Kolf

Schleichend erteilen Patentämter immer mehr kommerzielle Rechte auf das Leben. Das Urteil zu Stammzellenpatenten hat jetzt eine Grenze gezogen. Nun müssen neue Gesetze den Menschen vor Ausbeutung schützen. Ein Kommentar

Die Chromosomen im Zellkern einer Eizelle werden im Roslin Institute in Edinburgh in Schottland im Rahmen des Zellkerntransfers während des Klonens entfernt. dapd

Die Chromosomen im Zellkern einer Eizelle werden im Roslin Institute in Edinburgh in Schottland im Rahmen des Zellkerntransfers während des Klonens entfernt.

Auch für die Richter war es letztlich eine Gewissensentscheidung. Wenn für die Gewinnung von menschlichen Stammzellen Embryonen zerstört werden, verstoße dies gegen den Schutz der Menschenwürde, entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg. Dann müsse die Forschung zurückstehen.

Doch es geht nur vordergründig um die Frage, was die Forschung darf und wo die Grenze zu ziehen ist, an der schützenswertes Leben beginnt. Es geht um Patente, um eine kommerzielle Verwertung menschlichen Lebens. Und es geht um ein Milliardengeschäft für die Pharmaindustrie.

Immer weiter hat sich in den vergangenen Jahren schleichend die Grenze verschoben, bis zu welchem Grad Menschen, Tiere und Pflanzen, ihre Gene und ihre Bestandteile patentierbar sind. Das Europäische Patentamt hat bereits mehr tausend Patente auf menschliche Gene und hunderte Patente auf Pflanzen und Tiere zugelassen. Das große Problem dabei: Die Gesetzeslage ist weitgehend unklar, der Ermessensspielraum der Patentämter riesig.

Dabei liegt dahinter eine Grundsatzentscheidung, die weit über die Stammzellforschung hinaus geht. Wie weit sollen und dürfen zentrale Bereiche des menschlichen Lebens kommerziell ausgebeutet werden?

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