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17.05.2011

10:50 Uhr

Stammzellforschung

Forscher dämpfen Hoffnung auf maßgeschneiderte Stammzelltherapie

VonJan Osterkamp
Quelle:Spektrum.de

Aus Körperzellen rückprogrammierte Stammzellen sind womöglich doch nicht die ungefährliche Allzweckwaffe, auf die Mediziner gehofft hatten.

Eine tiefgefrorene Probe mit Stammzellen. Die Hoffnungen auf eine schnelle und maßgeschneiderte Stammzelltherapie haben einen Dämpfer erhalten. Quelle: ap

Eine tiefgefrorene Probe mit Stammzellen. Die Hoffnungen auf eine schnelle und maßgeschneiderte Stammzelltherapie haben einen Dämpfer erhalten.

HeidelbergStammzellen, die aus eigenen Körperzellen rückprogrammiert werden, gelten als große Hoffnungsträger der Medizin. Zum einen lässt sich mit diesen sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (ipS) der Einsatz der ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen vermeiden.

Zum anderen entstehen ipS aus körpereigenen Vorläuferzellen und werden, wenn man sie retransplantiert, nicht von der Immunabwehrabwehr als fremd und feindlich eingestuft – so dachten Forscher zumindest bisher. Zweifel sät nun aber eine Studie von Yang Xu von der University of California in San Diego und seinen Kollegen.

In ihren Versuchen erkannte das Team, das ipS in Mäusen durchaus Immunreaktionen hervorrufen können. In ihren Experimenten hatten die Wissenschaftler zunächst mit dem üblichen Umprogrammierungsprogramm ipS aus Körperzellen von Mäusen hergestellt. Diese induzierten Stammzellen sowie, zum Vergleich, embryonale Stammzellen implantierten sie dann in genetisch identische Nager.

Embryonale Stammzellen wachsen bei solchen Experimenten typischerweise schnell zu einem Keimzellgeschwulst, einem „Teratom“ heran, das verschiedene Zelltypen enthält. Dieses ist immunkompatibel, wird also nicht von der Körperabwehr als feindlich erkannt und angegriffen.

Anders aber bei den implantierten ipS, berichtet Xus Team: Hier entstehen meist keine Teratome – ein Beleg dafür, dass die Stammzellen sich nicht weiterentwickelt haben. Einzelne dennoch zunächst gebildete Keimzellgeschwulste werden dagegen schnell vom Immunsystem attackiert und schließlich abgestoßen, so die Wissenschaftler.

Die Ergebnisse stellen zwar, so betonen die Forscher, nicht grundsätzlich den Ansatz in Frage, ipS-Zellen aus Patienten zu gewinnen, um eine individuell maßgeschneiderte Stammzelltherapie zu ermöglichen. So hatten sie zum Beispiel recht unterschiedliche Resultate erzielt, als sie das Protokoll zur ipS-Produktion abwandelten. Dennoch zeigt die Studie, dass noch viel Forschungsarbeit nötig ist, bevor eine Therapie mit ipS Erfolg haben oder überhaupt einmal nur ernsthaft getestet werden kann.

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