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24.05.2012

09:28 Uhr

Stammzelltherapien in China

Medizin im Blindflug

In ihrer Verzweiflung lassen sich Patienten mit unheilbaren Krankheiten in China auf ungeprüfte und unsichere Stammzelltherapien ein. Diese sind weder wissenschaftlich geprüft noch erlaubt - trotzdem klingeln die Kassen.

In einer Klinik in Peking bereiten zwei Mitarbeiter die Trennung von Stammzellen aus Nabelschnurblut  vor: In ihrer Verzweiflung lassen sich Patienten mit unheilbaren Krankheiten in China auf ungeprüfte und unsichere Stammzelltherapien ein. dpa

In einer Klinik in Peking bereiten zwei Mitarbeiter die Trennung von Stammzellen aus Nabelschnurblut vor: In ihrer Verzweiflung lassen sich Patienten mit unheilbaren Krankheiten in China auf ungeprüfte und unsichere Stammzelltherapien ein.

Peking„Wir nehmen Stammzellen, um bei der Behandlung von Autismus zu helfen“, wirbt Doktor Li vom Zhongshan Hospital in der zentralchinesischen Metropole Wuhan. „Die Stammzellen werden der Nabelschnur von Neugeborenen entnommen, und wir injizieren sie den Patienten. Auf natürliche Weise suchen sie sich ihr Ziel.“

Alles ganz einfach. „Es gibt weder eine Abstoßung, noch biochemische Reaktionen des Körpers - auch keine Folgeschäden oder Gen-Mutationen, nichts dergleichen“, beteuert die Ärztin am Telefon. Dann erzählt sie noch kurz die Geschichte von einem Kind, dem es heute viel besser gehe. Und, dass die Therapie rund 20.000 Yuan (2470 Euro) koste.

Viele Krankenhäuser in China versprechen derartige Stammzellzauberei - auch bei Parkinson, Alzheimer, Lähmungen und Krebs. Die Sache hat nur einen Haken: Die Behandlungen sind in China nicht nur verboten - es gibt auch keine wissenschaftlich belegten Studien, wie oder ob sie überhaupt helfen. Im Gegenteil: Ärzte warnen eindringlich vor gesundheitlichen Schäden durch medizinische Scharlatanerie.

„Es ist irrwitzig zu behaupten, dass Stammzellbehandlung am Menschen sicher wäre“, warnt Doktor Chen Lei vom Nationalen Zell-Zentrum in Peking. Es sei „Medizin im Blindflug“: Alles sei ungeprüft.

Chen Lei weiß von schweren Komplikationen oder Folgeerkrankungen wie Tumorbildungen. „Die Abwehrreaktionen und die Wirksamkeit sind ungewiss.“ Doch ist ihm klar, was das Geschäft antreibt: „Es ist eine riesige Versuchung für jene verzweifelten Patienten und ihre Familien.“

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