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06.01.2010

13:26 Uhr

Start-up Shapers

Ein Bauingenieur bringt Beton in Form

VonClaudia Tödtmann

Marco Beeck macht mit seiner Firma Shapers vor, wie man die Kurve kriegt. Der Bauingenieur hat eine Technik entwickelt, die Beton in neue Formen bringt. Mittlerweile macht er 1,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Das nächste Ziel: Binnen fünf Jahren die Top Ten im Gießereiformenbau zu erreichen.

Er hat die Kurve gekriegt: Gründer Marco Beeck neben einer Betonfräse. Pressebild

Er hat die Kurve gekriegt: Gründer Marco Beeck neben einer Betonfräse.

DÜSSELDORF. Bei Beton kommt Marco Beeck ins Schwärmen. "Ein Genuss, wenn ein fast reinweißes Betonfertigteil aus der Schalung gehoben wird", sagt der Gründer des Start-ups Shapers. Die Leidenschaft ist vererbt: Sein Vater war Eigentümer der Lothar Beeck Gruppe, einer Baufirma in Mönchengladbach. Schon der verschanzte sich ganze Wochenenden im Labor und experimentierte mit Beton, etwa um neue Oberflächen für Lärmschutzwände herzustellen.

Bauingenieur Marco Beeck, 38, der heute auch das väterliche Unternehmen leitet, ging einen Schritt weiter. "Er wollte nicht nur Brücken und Hallen mit Zement, Kies und Eisenstäben bauen", sagt seine Schwester und Teilhaberin Sonja Beeck. Die 44-Jährige ist Architektin bei der Stiftung Bauhaus in Dresden und arbeitet bei Projekten bei Shapers mit. Marco Beeck schaffte es, das Material ganz neu in Form zu bringen. Wurde Beton früher nur rund, wenn man ihn nachträglich bearbeitete, so lässt sich nun mittels Software und Fräse die gewünschte kurvige Form herstellen, in die der Baustoff gegossen wird.

Gusstechnik schafft neue Formen

Die größte Schwierigkeit: Woraus sollten die Rohformen gefräst werden? Beeck stieß auf ein Verfahren, das Gießereien nutzen, die CNC-Frästechnologie - und passte sie an die Betonbearbeitung an. Trägermaterial sind nun Leimholz und elastisches Polyurethan. Für die Berliner Außenwerbungsfirma Wall produzierte Beeck zwei Bushaltestellen, die in Kairo stehen. Er strebt eine Serienfertigung an. Für die Glasfirma Leonardo in Bad Driburg stellte er einen Kubus mit 2 000 Quadratmeter Grundfläche für Ausstellungen her - inzwischen ist das eine Pilgerstätte für Architekturstudenten.

Die ersten Versuche mit dem Verbiegen von Beton startete Beeck vor vier Jahren. Maßlos habe er sich zuvor geärgert: Ein Architekt habe einen "sensationellen Auftrag abgelehnt", weil die nötige Form angeblich nicht herzustellen sei. Im Jahr darauf gründete Beeck Shapers.

Heute hat das Start-up sieben Mitarbeiter. Zu den Kunden zählt die Werbeagentur Grey. Die bestellte gleich ein Dutzend maßgefertigte Tische und Tresen. "Beton macht die Kernwerte unserer Agentur erlebbar", sagt Frank Dopheide, Chairman bei Grey in Düsseldorf. "Er signalisiert, wie wirkungsvoll und inspirierend Grey ist."

1,5 Mio. Euro Umsatz macht Beeck mit Shapers. Der Anspruch ist hoch: Ziel sei binnen fünf Jahren die Top Ten weltweit im Gießereiformenbau - "als erste Adresse für Architekten mit Spezialwünschen".

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