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24.01.2005

08:56 Uhr

Stauforscher untersuchten Wesen und Denken der Berufspendler

Der stoische Autofahrer gewinnt

VonStefan Merx (Handelsblatt)

Bleibe ich auf der Autobahn oder nehme ich lieber die Nebenstrecke? Die Frage, die für Millionen Pendler täglich relevant ist, beschäftigt auch den Bonner Nobelpreisträger und SpieltheorieProfessor Reinhard Selten und den Duisburger Stauforscher Michael Schreckenberg.

Hektisches Abweichen von der Fahrtroute zahlt sich nicht aus, so ein Studienergebnis.

Untersucht: Das Verhalten der Berufspendler.

HB DÜSSELDORF. In Köln stellten sie die Ergebnisse ihrer dreijährigen Forschungen vor. Und siehe da: Hektisches Abweichen von der Fahrtroute zahlt sich nicht aus. Die große Gruppe der „Stoisch-Konservativen“, die weitgehend die eigenen Erfahrungswerte ignoriert, hatte in den umfangreichen Tests die geringsten Fahrzeiten.

In 200 Versuchen hatten Wirtschaftswissenschaftler Selten und Physiker Schreckenberg den Probanden die Wahl zwischen zwei Wegstrecken gelassen – und kleine Geldpreise für die schnelle Ankunft ausgelobt. Nachdem die Testpiloten im Computerlabor diverse Verkehrsszenarien durchgespielt hatten, offenbarten sich drei grundsätzliche Fahrertypen: 44 Prozent zählten zu den sensiblen bis hektischen Fahrern, die schon auf kleinste Veränderungen reagieren – etwa auf Grund einer Staumeldung die Autobahn verlassen. Eher selten sind mit 14 Prozent die Taktierer, die das vermutete Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer in ihre Entscheidungen einbeziehen, um sich antizyklisch zu verhalten. „Sie fahren damit aber auch nicht besser“, sagt Schreckenberg. Das Problem: Kurzfrist-Prognosen würden durch das Reagieren ohnehin ad absurdum geführt. Am erfolgreichsten schnitten die Ignoranten ab, die in aller Regel einfach an ihrem Ursprungsplan festhielten.

Die Typisierung sei keine Spielerei, sagt Schreckenberg: „Wir wollen den Autofahrer berechenbar machen, um sein Verhalten in Verkehrsfluss-Simulationen einfließen zu lassen – und damit die Stauprognosen verbessern.“ Am besten sei es allerdings, sich vor Fahrtantritt im Internet über den Verkehrszustand zu informieren.

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