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26.04.2012

11:07 Uhr

Sternhaufen NGC 6604

Ein Kamin im Universum

Der Sternhaufen NGC 6604 ist Ausgangspunkt einer merkwürdigen Struktur, die sich über hunderte Lichtjahre erstreckt. Astronomen haben den „Kamin“ jetzt genauer unter die Lupe genommen.

NGC 6604 ist die helle Sterngruppe oben links im Bild. Die Aufnahme zeigt außerdem den zum Sternhaufen gehörenden Nebel – eine leuchtende Wolke aus Wasserstoffgas. Eso

NGC 6604 ist die helle Sterngruppe oben links im Bild. Die Aufnahme zeigt außerdem den zum Sternhaufen gehörenden Nebel – eine leuchtende Wolke aus Wasserstoffgas.

Düsseldorf5.500 Lichtjahre entfernt im Sternbild Serpens liegt der Sternhaufen NGC 6604 – eine Ansammlung junger Sterne, eingebettet in Gas- und Staubwolken. Mit dem 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium in Chile haben Astronomen die rund einhundert weißlich-blauen Sterne des Haufens genauer unter die Lupe genommen. Die ferne Sternegruppe fasziniert Forscher dabei nicht nur unter ästhetischen Aspekten, sie ist auch Ausgangspunkt einer merkwürdigen Struktur, die sich über hunderte von Lichtjahren erstreckt.

Die heißen, jungen Sterne des Haufens bereiten gerade eine Art Wachablösung vor: Ihre intensive Strahlung und ihre starken Winde treiben Materie in einer kompakten Region zusammen – Vorspiel zur Entstehung neuer Sterngenerationen.

Sind aus dieser Verdichtung erst einmal neue Sterne entstanden, wird diese zweite Generation ihre Vorgänger bald ganz ersetzen: Die Sterne sind sehr massereich und gehen daher besonders verschwenderisch mit ihrem Kernbrennstoff um. Ihr Leben wird daher auf astronomischen Zeitskalen gemessen nur sehr kurz sein – nach wenigen Millionen Jahren werden sie in gewaltigen Supernova-Explosionen verglühen.

Für Astronomen besonders interessant ist eine seltsame Säule aus heißem, ionisiertem Gas, die von dem Sternhaufen ausgeht. Ähnliche Gassäulen – regelrechte Kanäle, entlang derer die von jungen Sternhaufen ausgestoßene Materie fließt – sind aus anderen Regionen in der Milchstraße und von anderen Spiralgalaxien bekannt. NGC 6604 allerdings liegt vergleichsweise nahe an der Erde und ermöglicht den Astronomen daher besonders detaillierte Untersuchungen.

Diese Säule, von den Astronomen auch als „Kamin“ bezeichnet, steht senkrecht auf der galaktischen Ebene und erstreckt sich über unglaubliche 650 Lichtjahre. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die heißen Sterne in NGC 6604 für die Entstehung des Kamins verantwortlich sind. Die Natur dieser ungewöhnlichen Strukturen dürfte allerdings erst durch zukünftige Forschungen vollständig enthüllt werden.

Die hellsten Sterne von NGC 6604 sind bereits mithilfe eines kleinen Teleskops auszumachen. Deshalb konnte der Sternhaufen auch bereits im Jahre 1784 von William Herschel katalogisiert werden. Die umgebenden Gaswolken sind dagegen sehr viel leuchtschwächer, sie blieben daher bis in die 1950er Jahre hinein unentdeckt.

Von

tt

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