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30.07.2012

07:33 Uhr

Steuerungstechnik

Die ferngesteuerte Fabrik

VonAxel Höpner

Linde ist eines der ersten Großunternehmen, das ganze Fabriken ohne Mitarbeiter steuert. Die Entwicklung erfasst immer mehr Branchen und könnte die Produktion grundsätzlich verändern.

Steuerungszentrale von Linde in Leuna: Der Konzern betreibt ganze Fabriken ohne Mitarbeiter vor Ort. PR

Steuerungszentrale von Linde in Leuna: Der Konzern betreibt ganze Fabriken ohne Mitarbeiter vor Ort.

LeunaWenn in der Luftzerlegungs-Anlage von Linde in Basel der Gasdruck zu hoch ist, dann blinkt bei Joachim Pretz im Kontrollzentrum eine Warnmeldung auf. Auf 15 Monitoren je Arbeitsplatz können er und sein Team die Messwerte überwachen, eine Kamera liefert zudem Videobilder. So weit, so normal.

Doch die Kontrolleure sitzen nicht etwa im Betrieb in der Schweiz, sondern im mehr als 600 Kilometer entfernten Leuna. Hier hat Linde ein hochmodernes „Remote Operations Center (ROC)“ gebaut, von dem die Anlagen aus der Ferne überwacht werden. Aktuell sind zehn europäische Standorte angeschlossen, in denen Luft in die Einzelteile Sauerstoff, Stickstoff und Edelgase zerlegt wird. Bis Ende 2013 sollen es sogar 28 sein. Derzeit arbeiten drei Anlagen im Parallelbetrieb. Zwar läuft testweise schon die Fernsteuerung, sicherheitshalber ist noch eine Mannschaft vor Ort. Die Anlagen werden in den nächsten Monaten ganz von Leuna aus übernommen.

Linde ist eines der ersten Großunternehmen, die ganze Fabriken ohne Mitarbeiter vor Ort fahren. Damit sind die Münchener Vorreiter einer Entwicklung, die viele Branchen erfasst hat und Produktion, aber auch Dienstleistungen grundsätzlich verändern werden. Immer mehr Firmen steuern, kontrollieren und warten Anlagen und Systeme aus der Ferne. Die bessere Steuerungstechnik und größere Bandbreiten in der Datenübertragung schaffen neue Einsatzmöglichkeiten: U-Bahnen brauchen keine Fahrer mehr, Ölplattformen auf hoher See werden von Land aus kontrolliert, Kläranlagen vom Blackberry aus gesteuert.

„Im Grunde können die Systeme branchenunabhängig eingesetzt werden“, sagt Christian Hildenbrand. Er ist Geschäftsführer des IT-Anbieters Quellwerke, der unter anderem die Software für solche Remotelösungen anbietet. So setzt zum Beispiel Lanxess eine entsprechende Steuerungstechnik in Teilen seiner Chemieanlagen ein. Dass nun Linde ganze Anlagen in den Randzeiten bereits im Null-Mann-Betrieb steuert - vor Ort ist nur noch eine Bereitschaft, die bei einem Alarm rausfahren kann -, ist eine neue Dimension.

Kommentare (1)

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Thomas-Melber-Stuttgart

30.07.2012, 08:21 Uhr

Ferngesteuert - fragt sich dann bloß von wem. Und von wo aus.

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