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25.04.2011

09:55 Uhr

Strahlenschäden

Die unsichtbare Gefahr

VonHartmut Wewetzer
Quelle:Tagesspiegel

Eine Studie der Vereinten Nationen bewertet umfassend die gesundheitlichen Folgen von Tschernobyl. Über Opferzahlen wird weiter gestritten, nicht zuletzt aus politischen Motiven.

Strahlungsmessung in der Umgebung von Tschernobyl: Wie viele Menschen durch den schlimmsten Unfall in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu Schaden kamen, wird niemals genau geklärt werden. Quelle: dpa

Strahlungsmessung in der Umgebung von Tschernobyl: Wie viele Menschen durch den schlimmsten Unfall in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu Schaden kamen, wird niemals genau geklärt werden.

BerlinIn den frühen Morgenstunden des 26. April 1986 barst nach einem missglückten Sicherheitstest die Hülle der Reaktoreinheit 4 im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine. Im Reaktor entzündete sich Graphit, der Brand schleuderte Tonnen von radioaktivem Material in die Atmosphäre, zehn Tage lang.

Die strahlenden Atome, vor allem Jod-131 und Cäsium-137, gelangten in mehr als 15 Kilometer Höhe, eine radioaktive Wolke verunreinigte ein Areal von 150 000 Quadratkilometern auf dem Gebiet der Sowjetunion, in dem fünf Millionen Menschen lebten. Spuren des Fallouts waren überall in der nördlichen Hemisphäre nachweisbar.

Betrachtet man die gesundheitlichen Folgen der Katastrophe, sind dabei nur zwei Dinge wirklich gewiss: Wie viele Menschen durch den schlimmsten Unfall in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu Schaden kamen, wird niemals genau geklärt werden. Und es wird weiter über Opferzahlen gestritten werden, nicht zuletzt aus politischen Motiven.

Am härtesten traf es die Arbeiter, die unmittelbar nach der Havarie am Reaktor eingesetzt wurden. 134 von ihnen wurden akut verstrahlt. 28 starben kurz darauf an den Folgen der Strahlenkrankheit. Bis 2006 starben 19 weitere Techniker, wobei die Todesursache meist nicht mit Radioaktivität in Verbindung zu bringen war. Als Spätschäden trugen viele der Verstrahlten Hautschäden davon oder erkrankten an einer Linsentrübung (Katarakt, grauer Star).

Die Strahlenkrankheit ist ein deterministischer Schaden, eine direkte Verbindung von Ursache und Wirkung ist möglich. Anders sieht es bei zufälligen „stochastischen“ Strahlenschäden aus. Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Jahre später an bestimmten Leiden zu erkranken. Im Vordergrund steht hier Krebs. Allerdings gibt es in der Regel kaum eine Möglichkeit, in diesen Fällen die Erkrankung auf einen Strahlenschaden im Erbgut zurückzuführen. Man sieht den Krebszellen nicht an, was sie hat genetisch entgleisen lassen. Stochastische Schäden lassen sich nur abschätzen.

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