Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.08.2011

11:18 Uhr

Streit um einen Helden

Wem gehört Alexander der Große?

Griechenland und Mazedonien liegen im Clinch über die Frage, wer Alexander den Großen für sich beanspruchen kann. Nicht nur eine historische Frage, der Streit verhindert sogar den EU- und NATO-Beitritt Mazedoniens.

Ein Held wird geputzt: Arbeiter reinigen die Kolossalstatue von Alexander in Skopje. Quelle: Reuters

Ein Held wird geputzt: Arbeiter reinigen die Kolossalstatue von Alexander in Skopje.

SkopjeIn der alten makedonischen Hauptstadt Aigai (heute: Vergina) in Nordgriechenland gehen auch im heißen August die Ausgrabungsarbeiten am einstigen Riesenpalast von König Philipp II. (382-336 v. Chr.) weiter. Im nahe gelegenen Pella ist vor zwei Jahren ein modernes Museum errichtet worden. Im Mittelpunkt steht hier der berühmte Sohn Philipps, der als Alexander der Große (356-323 v. Chr.) Weltgeschichte geschrieben hat.

Ein wenig weiter nördlich wird Skopje als Hauptstadt des modernen Staates Makedonien umgekrempelt: Museen, Statuen und Gebäude im historisierenden Stil samt Triumphbogen und einem 22 Meter hohen Monument, das Alexander als antiken Krieger hoch zu Ross zeigt.

Doch genau um diesen Helden tobt seit Jahren ein erbitterter Streit: Griechenland und sein Nachbar Makedonien beanspruchen den weltberühmten Feldherrn für sich. Die sündhaft teure Umgestaltung des Zentrums von Skopje ist auch eine Botschaft in Richtung Griechenland: Seht her, wir sind die wahren Nachkommen Alexanders, der kein Grieche, sondern eben ein Makedone war!

Nationalismus des 19. Jahrhunderts

Seitdem der kleine Balkanstaat 1991 beim Zerfall Jugoslawiens entstanden ist, versuchen Politik und Geschichtsschreibung diese These zu belegen. Griechenland blockiert „zur Strafe“ jede Annäherung des Nachbarn an die EU und die Nato und verlangt eine Namensänderung. Skopje tritt deshalb international noch immer unter der spröden Bezeichnung „Ehemalige jugoslawische Republik Makedonien“ auf.

Aus dem Geschichtsunterricht weiß jeder aufmerksame Schüler, dass Alexander der Große zu Griechenland gehört wie die Akropolis in Athen. Und dennoch: „Dieser Konflikt wird nie gelöst werden, da wette ich mein Geld drauf“, sagt der griechische Geschichtsprofessor Basil Gounaris in Thessaloniki. „Was man in Skopje macht, ist Nationalismus des 19. Jahrhunderts“, empört er sich.

Und in Griechenland werde keine Partei das Risiko eingehen, die Sache zu klären. Denn die Geschichte sei das Einzige, „was die Griechen zusammenhält“, sagt der Professor. „Für uns besitzt die antike Geschichte einen so hohen Wert, dass wir keine Kompromisse eingehen können“.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Pendler

17.08.2011, 13:22 Uhr

oje, kaputte Welt

Alexander der Großer (Schlächter und Völkermörder), wie kann man sich nur um sein Erbe streiten?

Wie kaputt kann eine Welt nur sein, wenn man die Größe des Menschen danach beurteilt, wie viele Menschen er geschlachtet hat. Aber in eine Welt, wo es noch legitim ist, Tierkadaver zu verspeisen, muss man sich über babarische Sichtweisen der Heldenverehrung nicht wundern.

grieche

17.08.2011, 15:09 Uhr

So wie der mazedonische Staat seine Bürger betrügt, macht er es auch mit der Geschichte Alexanders.

kole1

18.08.2011, 09:31 Uhr

Ziemlich einseitiger Bericht aus der Sicht Griechenlands.
Von mazedonischer Seite "wollte" sich ja keiner äußern.
"Als „Stern von Vergina“ ziert es die Fahne des Staates Makedonien" ist auch nicht richtig. Auf Druck von Griechenland musste die Flagge geändert werden. Im Moment ist es ein Ventilator.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×