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18.04.2015

12:19 Uhr

Studie im Amazonas

Beispiellose Keimvielfalt bei Indianern

Billionen von Bakterien leben im und am menschlichen Körper - die meisten sind wichtig für die Gesundheit. Andere sind zunehmend resistent gegen Antibiotika. Eine Studie über Yanomani-Indianer liefert neue Erkenntnisse.

Die Studie wirft neue Fragen über die mikrobielle Vielfalt unserer Vorfahren und darüber auf, ob moderne Ernährungsweisen und Lebensstile Bakterien zerstören, die für das Immunsystem wichtig sind. dpa

Pilzkultur zur Antibiotika-Forschung

Die Studie wirft neue Fragen über die mikrobielle Vielfalt unserer Vorfahren und darüber auf, ob moderne Ernährungsweisen und Lebensstile Bakterien zerstören, die für das Immunsystem wichtig sind.

WashingtonBei einem isoliert lebenden Indianerstamm im Amazonas haben Wissenschaftler eine beispiellose Vielfalt an Bakterien und Keimen in und am menschlichen Körper vorgefunden. Ihre Studie über das Mikrobiom - Billionen meist nützlicher Bakterien - wurde am Freitag vorgestellt.

Der Leiter der Untersuchung, Jose Clemente von der Icahn School of Medicine in New York, sagt, die bislang nicht mit der modernen Zivilisation in Kontakt gekommenen Yanomami-Indianer eröffneten eine „einzigartige Gelegenheit, unsere mikrobische Vergangenheit unter das Mikroskop zu bringen“. Die im und am menschlichen Körper lebenden Bakterien sind für die Gesundheit von großer Bedeutung. Die Studie wirft neue Fragen über die mikrobielle Vielfalt unserer Vorfahren und darüber auf, ob moderne Ernährungsweisen und Lebensstile Bakterien zerstören, die für das Immunsystem wichtig sind.

Die Yanomami sind ein bekanntes Indianervolk im Amazonas. Das Dorf des Stammes, der für die Studie untersucht wurde, ist allerdings erst vor wenigen Jahren entdeckt worden und lebt im Grenzgebniet von Venezuela und Brasilien. Die Forscher sammelten 2009 Haut- Speichel- und Fäkalproben bei 34 Ureinwohnern. Die genaue Lage ihres Dorfes halten sie zu deren Schutz geheim.

Mitautorin Gloria Dominguez-Bello erklärt, die Ergebnisse stützten die Theorie, dass es einen Zusammenhang zwischen mikrobieller Vielfalt in der Bevölkerung entwickelter Länder und deren zunehmender Anfälligkeit für Immun- und Stoffwechselkrankheiten - Allergien, Asthma, Diabetes - gibt. „Die Herausforderung besteht darin, herauszufinden, was die wichtigen Bakterien sind, deren Funktion wir benötigen, um gesund zu sein“, erklärte sie.

Die meisten Studien zum humanen Mikrobiom wurden bislang an Amerikanern - im Rahmen des Humanen Mikrobiom-Projekts - und an Europäern vorgenommen. Zunehmend versuchen Wissenschaftler, diese Ergebnisse mit denen nicht westlicher Populationen zu vergleichen. „Es ist eine faszinierende Studie“, erklärte Dr. Lita Proctor von den Nationalen Gesundheitsinstituten, die nicht an der Untersuchung beteiligt waren. „Je diverser dein Mikrobiom, umso mehr bringen diese Bakterien deinem Körper Eigenschaften, die du gebrauchen kannst.“

Vergleiche der bakteriellen DNA der Yanomani zeigten, dass das Mikrobiom von Amerikanern gut 40 Prozent weniger divers ist. Sie war auch vielfältiger als die von anderen Ureinwohnerpopulationen, die mehr Kontakt zur Zivilisation haben, wie die Guahibo in Venezuela und Landbevölkerung im südostafrikanischen Malawi.

Gentests brachten die Überraschung, dass die Yanomami „stille“ Bakterienstämme haben, die gegen Antibiotika resistent sind. Nach ihrem „Einschalten“ konnten sie einige moderne Antibiotika blockieren, erklärt Co-Author Guatam Dantas. Die Bakterien kämen im Boden vor und die Yanomami hätten sie irgendwann aufgenommen. Diese Bakterien hätten Widerstandsgene als Abwehr von Wettbewerbern entwickelt.

„Das unterstreicht die Notwendigkeit, unsere Forschung nach neuen Antibiotika zu verstärken“, sagte Dantas. „Andernfalls werden wir die Schlacht gegen Infektionskrankheiten verlieren.“

Von

ap

Kommentare (1)

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Herr Joly Joker

20.04.2015, 11:17 Uhr

Nachdem ich seit 15 Jahren mit meinem Joghurt japanische Darmbakterien schlucken muss, kommen jetzt wohl bald noch die Fäkal- und Rotzbakterien der Urwaldindianer dazu. Danach verpassen sie uns das von den Affen.
Wie hoch ist die Sterblichkeitsrate der Indianer? Wie alt werden sie im Schnitt? 40 Jahre? oder weniger?

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