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10.03.2016

13:00 Uhr

Südtiroler Eismumie

Forscher wollen Ötzi eine Stimme geben

Ötzi ist einer der bestuntersuchten Toten der Geschichte, wir kennen sein ungefähres Aussehen, seine Essgewohnheiten und seine Krankheiten. Jetzt wollen Forscher sogar versuchen, seine Stimme zu rekonstruieren.

Die Rekonstruktion des Südtiroler Archäologiemuseums zeigt das ungefähre Aussehen  des Gletschermanns. Jetzt wollen Forscher auch seine Stimme rekonstruieren. dpa

Ötzi

Die Rekonstruktion des Südtiroler Archäologiemuseums zeigt das ungefähre Aussehen des Gletschermanns. Jetzt wollen Forscher auch seine Stimme rekonstruieren.

BozenDie letzten Minuten im Leben von Gletschermann Ötzi waren brutal: Ein Pfeil traf ihn von hinten, er blutete, hatte eine Kopfverletzung. Möglicherweise stieß er noch einen letzten Schmerzensschrei aus. Aber wie dieser vor 5300 Jahren geklungen haben könnte, das weiß bis heute niemand.

Die Eismumie gilt als eines der am besten erforschten Mordopfer der Welt – doch seine Stimme hat noch niemand rekonstruiert. Das soll sich nun ändern: Eine Gruppe von Forschern und Ärzten will das Geheimnis lüften.

„Es geht eigentlich um eine Rekonstruktion des Stimmkanals, also die Gesamtheit des Hohlraumes zwischen den Stimmlippen und den Lippen des Mundes“, sagt Projektleiter Francesco Avanzini, HNO-Arzt und Verantwortlicher des Ambulatoriums für Phoniatrie im Südtiroler Sanitätsbetrieb, der zusammen mit anderen Experten Ötzi wieder zum Sprechen bringen will. Das alles geschieht jedoch virtuell – der legendäre Eismann, der in der späten Jungsteinzeit lebte und 1991 im Grenzgebiet zwischen Österreich und Italien gefunden wurde, bleibt in seiner gekühlten Igluzelle im Südtiroler Archäologiemuseum.

Bakterien in Ötzis Magen: Eismann mit Bauchschmerzen

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Plagten Ötzi üble Magenschmerzen? Zumindest trug der Gletschermann einen Keim, der dafür gesorgt haben könnte. Der jüngste Fund zeigt: Selbst Jahrzehnte nach der Entdeckung gibt die Eismumie immer wieder Neues preis.

„Wir arbeiten nur auf der Basis der CT-Bilder, die Mumie bleibt intakt“, sagt Avanzini. Sein Kollege Rolando Füstös, Chefarzt der HNO-Abteilung des Landeskrankenhauses Bozen, ergänzt: „Der Knochenapparat lässt sich relativ gut in 3D rekonstruieren.“

Schwieriger wird es dann schon bei anderen Komponenten. „Muskeln und Schleimhäute sind bei Ötzi natürlich geschrumpft. Von ihrer originalen Beschaffenheit hängt es aber ab, wie der Ton klingt“, erklärt Elektroingenieur Piero Cosi, der an der Universität Padua an Spracherkennungssystemen arbeitet und dafür verantwortlich ist, die Stimme mit Hilfe von Software wiederherzustellen.

Ötzis Arm erschwert die Rekonstruktion

Dies hält auch Bernhard Richter, Leiter des Freiburger Instituts für Musikermedizin, für einen entscheidenden Faktor bei dem Vorhaben – er warnt vor zu hohen Erwartungen. „Das Problem ist, dass der Vokaltrakt kein starres Gebilde, sondern ja ständig in Bewegung ist und seine Form ändert. Dadurch verändert sich auch der Klang, und das dann aus einem starren CT abzuleiten, das ist natürlich schwierig“, sagt er. „Man wird damit die Grundvoraussetzungen, mit denen Ötzi seinen Stimmklang erzeugt hat, rekonstruieren können, man wird aber nicht tatsächlich seine Stimme hören.“

Ein weiteres Hindernis für die Ärzte ist Ötzis linker Arm, der über seinem Hals und damit auch über dem Stimmkanal liegt. „Das ist ein gravierendes Problem, weil der Arm verhindert, dass die richtige Haltung des Zungenbeins, eines wichtigen Knochens im Hals, gemessen werden kann“, erläutert Avanzini. „Es hängt daher davon ab, ob wir die Position des Zungenbeins finden und feststellen können, wie der Knochen ausgesehen hat“, ergänzt der Arzt und Projektleiter.

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