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15.11.2011

11:21 Uhr

Süßstoff Stevia

Ein Wunderkraut soll Deutschland versüßen

Nach langem Hin und Her hat die EU-Kommission den Süßstoff Stevia zugelassen. Bis zu 300-mal süßer als Zucker und ohne Kalorien, hat das Honigkraut längst die Märkte außerhalb Europas erobert.

Die Blätter der Stevia-Pflanze enthalten einen Süßstoff, der bis zu 300 Mal stärker als Zucker süßt. dpa

Die Blätter der Stevia-Pflanze enthalten einen Süßstoff, der bis zu 300 Mal stärker als Zucker süßt.

DüsseldorfIn zwei Wochen werden Kunden im Supermarkt Stevia kennenlernen. Vielleicht ist die kleine grüne Pflanze auf das Marmeladenetikett  aufgedruckt oder auf dem Joghurt steht „Mit Stevia gesüßt“. Dann wissen die Käufer, dass dieses Lebensmittel wenig oder gar keinen Zucker mehr enthält, sondern mit dem Süßstoff aus den Blättern des Steviakrauts, den Steviolglycosiden gesüßt wurde.

Hierzulande wird die Pflanze Honigkraut genannt, doch ursprünglich kommt sie aus Südamerika, wo die Menschen im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Brasilien seit Jahrhunderten ihre Speisen mit den Blättern süßen. Das Extrakt kann bis zu 300-mal süßer sein als Kristallzucker und enthält keine Kalorien. Außerdem verursacht es keinen Karies und ist sogar für Diabetiker geeignet, denn der Süßstoff hat keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel.

Während das Wunderkraut außerhalb von Europa, vor allem in Japan und den USA, bereits seit Jahren den Lebensmittelmarkt erobert, war es bisher in der EU nicht zugelassen. Stevia-Anhänger sind davon überzeugt, dass eine Zuckerlobby die Einführung bisher erfolgreich verhindern konnte. Tatsächlich hatte jedoch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Bedenken, dass die Pflanze gesundheitlich nicht unbedenklich sein könnte.

Zucker und Süßstoffe

Kristallzucker

Wird allgemein von Zucker gesprochen, ist meistens Kristallzucker (Haushaltszucker) gemeint, der auch Saccharose genannt wird. Er kann aus Zuckerrübe, Zuckerrohr oder Zuckerpalme gewonnen werden. Kristallzucker zählt zu den Kohlehydraten und hat einen hohen Kaloriengehalt. Bei der Verdauung wird er in Trauben- und Fruchtzucker gespalten.

Fruchtzucker

Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, klingt gesünder, hat aber keinen geringeren Energiegehalt als Kristallzucker. So müssen Diabetiker den Fruchtzucker wie normalen Zucker berechnen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass ein Übermaß an Fruktose in der Ernährung die Entwicklung von Fettleibigkeit begünstigt.

Künstliche Süßstoffe

Aspartam ist ein bekannter Süßstoff, der synthetisch hergestellt wird. Er ist in Softdrinks und Kaugummi weit verbreitet. Es gibt immer wieder Debatten, ob künstliche Süßstoffe gesundheitsgefährdend sind. Aspartam wurde in Deutschland 1990 zugelassen, die erlaubte Tagesdosis beträgt 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Natürliche Süßstoffe (Stevia)

Das zerkleinerte Stevia-Blatt ist 30-mal süßer als Kristallzucker. Wird der Süßstoff aus dem Blatt isoliert, erhält man den Süßstoff Steviosid, der 250- bis 300-mal süßer als Zucker ist. Ein weiterer Stoff, der aus der Pflanze gewonnen werden kann, ist das Rebaudiosid-A – 300- bis 450-mal süßer als Zucker.

Langjährige Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die Sorgen wohl unbegründet waren. Die EFSA hat nun mitgeteilt, dass das Süßungsmittel weder krebserregend noch gentoxisch sei. Somit konnte die EU-Kommission den Süßstoff Steviolglycosid zur Verarbeitung in Lebensmitteln jetzt für alle EU-Länder zulassen.

Das freut viele Lebensmittelhersteller. Coca-Cola und Danone haben bereits Produkte auf dem Markt, die mit Stevia gesüßt sind. Danone hatte für Frankreich eine Sondergenehmigung erhalten und konnte dort schon vor der Zulassung einen Joghurt verkaufen, der mit dem natürlichen Extrakt gesüßt ist.

Kommentare (7)

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15.11.2011, 11:40 Uhr

Also ich hab' das Zeug mal zum Süßen von Tee und Kaffee ausprobiert - es war einfach widerlich.

fneuschulz

15.11.2011, 12:58 Uhr

Das nutze ich schon seit Jahren. Das gibt es im Reformhaus bei den Waschmitteln. Ich kaufe Tabs, welche wiklich hervorraged sind. Als Zimmerpflanze habe ich das Steviakraut auch, was sehr schön aussieht. Schön, das die Eropäische Gemeinschaft endlich diesen längst überfälligen Schritt wagt.

Kritiker

15.11.2011, 14:58 Uhr

Unbedenktlichkeit aber Grenzwert definiert - widerspricht sich das nicht?

Quecksilber in Zahnfüllungen in sehr kleinen Dosen ist auch unbedenklich (so sagt man) - aber Quecksilber ist auch tödlich! Die Dosis machts. Das weiss man.

Im Artikel vermisse ich Antworten auf die Fragen:
1) Was passiert denn, wenn man mehr als 4 Milligramm pro Kg Körpergewicht aufnimmt?
2) Warum gibt es einen Grenzwert?
3) Wie kommt man auf den Grenzwert?
Wer weiss schon, wieviel er künftig tatsächlich von dem Zeug in seinem Essen hat? - Im Cola, in der Marmelade, im Essen in der Kneipe - steht da dann hinter jedem Menü wieviel Stevia drin ist? Wird jeder auf nem Block oder in seiner Stevia-IPad-App eintragen, wieviel er von Stevia jeden Tag konsumiert? Leuchtet die App dann rot, wenn die tägliche Dosis erreicht ist (vielleicht sollte ich gleich die App entwickeln. Ich sehe ein gewisses Potenzial - am besten auch noch ne App mit eingebauter Waage für das drucksensitive Touchpad *g*).

4) Für Zucker gibt es keinen Grenzwert - nur eine empfohlende Tagesdosis - warum ist das anders?
5) Was sind die Risiken von Stevia?
6) Warum heimischen Zucker durch etwas anderes ersetzen, was man nicht kennt? Wer will sich denn jetzt die Taschen mit Geld füllen?

Die Zuckerlobby hat sicher Einfluß aber welche anderen Gründe werden verschwiegen, die die bisherige Markteinführung verhindert haben?

Wird die EU jetzt von der Stevia-Lobby geschmiert, zahlt sie mehr als die Zuckerlobby?

Das Problem ist doch ein ganz anderes: Zucker grundsätzlich ist nicht schädlich, ja sogar notwendig und Zucker ist auch ein natürliches Produkt -> heimische Zuckerrübe!

Der Vorteil von anderen Süsstoffen ist jedoch, dass sie nicht sättigen, sondern dem Körper etwas vorgaukeln!

Folge:
Man isst und trinkt mehr, was die Nahrungsmittelindustrie á la Coca Cola, Nestlé und Konsorten möchten. Darum geht es. Der Verbraucher soll mehr essen und kaufen - mehr Umsatz machen. Das Risiko trägt der Verbraucher!

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