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30.05.2012

14:21 Uhr

Synästhesie

Warum manche Menschen Wörter schmecken

Synästheten haben außergewöhnliche Fähigkeiten. Sie können zum Beispiel Wörter schmecken oder Zahlen in Farben sehen. Jetzt haben Neurowissenschaftler die Ursache für Synästhesie entdeckt.

So sehen die Verknüpfungen bei Nicht-Synästheten aus. Pressefoto

So sehen die Verknüpfungen bei Nicht-Synästheten aus.

DüsseldorfEine drei ist für Sie grün und eine sieben steht für rot? Dann sind Sie Synästhet. Forscher aus München und Jülich haben jetzt die Ursache für das faszinierende Phänomen gefunden, bei dem es zu einer außergewöhnlichen Verknüpfung von Sinneseindrücken im Gehirn kommt. Diese zusätzliche Wahrnehmung bleibt bei den betroffenen Menschen ein Leben lang konstant.

Aus früheren Untersuchungen mit funktioneller Kernspintomographie weiß man, dass bei Synästheten während der Verarbeitung von visuellen Eindrücken eine bestimmte Hirnregionen stärker aktiviert ist. Was bisher fehlte, war eine Erklärung dafür, wie diese Sinnesverknüpfungen zustande kommen.

Wie Neurowissenschaftler am Klinikum rechts der Isar der TU München (Dr. Valentin Riedl, Abteilung für Neuroradiologie) und am Forschungszentrum Jülich (Prof. Peter Weiss-Blankenhorn, Institut für Neurowissenschaften und Medizin) nun in einem gemeinsamen Projekt herausgefunden haben, werden diese synästhetischen Verknüpfungen durch verstärkt gekoppelte Aktivität zwischen Hirnregionen vermittelt.

Im menschlichen Gehirn gibt es Netzwerke verknüpfter Hirnregionen, die jeweils für spezielle Aufgaben zuständig sind. Das Erstaunliche: Diese Netzwerke sind bereits unter Ruhebedingungen gekoppelt, also auch dann, wenn die betreffende Person nur mit geschlossenen Augen im Kernspintomographen liegt. Die Münchner und Jülicher Neurowissenschaftler sind nun der Frage nachgegangen, wie sich diese gekoppelten Ruhe-Netzwerke bei Synästheten darstellen.

Dazu erfassten sie zunächst durch psychologische Tests verschiedene Aspekte der individuellen Wahrnehmungen von zwölf Synästheten. Anschließend analysierten sie in einer zehnminütigen Messung mit funktioneller Kernspintomographie deren Hirnruhezustand. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass bei Synästheten die Netzwerke unter Ruhe vielfach stärker verknüpft sind als bei Nicht-Synästheten. Zudem ist die Kopplung umso stärker ausgeprägt, je stabiler die synästhetischen Wahrnehmungen der einzelnen Probanden sind.

Die Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht ist, berichtet somit erstmals, dass die verstärkten Sinnesverknüpfungen bei Synästheten durch vermehrte funktionelle Koppelung zwischen Hirnregionen entstehen. Diese Ergebnisse legen zudem nahe, dass die gekoppelte Hirnaktivität unter Ruhe die Phänomenologie der menschlichen Wahrnehmung direkt beeinflusst.

So sehen die Verknüpfungen bei Synästheten aus. Pressefoto

So sehen die Verknüpfungen bei Synästheten aus.

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ses

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