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13.07.2011

18:06 Uhr

Tablette bietet Schutz

Eine neue Waffe im Kampf gegen Aids

Neuer Erfolg im Kampf gegen Aids: Eine Kombi-Tablette mit verschiedenen Wirkstoffen verspricht Schutz vor der tödlichen Erkrankung - allerdings nur in Kombination mit anderen Methoden.

Die Tablette verspricht zwar keinen Komplettschutz vor Aids, weckt aber Hoffnungen auf eine wirksame Bekämpfung der Immunschwächerkrankung in der Zukunft. Quelle: dapd

Die Tablette verspricht zwar keinen Komplettschutz vor Aids, weckt aber Hoffnungen auf eine wirksame Bekämpfung der Immunschwächerkrankung in der Zukunft.

Addis Abeba/GenfStudien in Uganda, Kenia und Botsuana haben gezeigt, dass sich das Risiko einer Virus-Übertragung um bis zu 73 Prozent verringere, wenn der gesunde Partner täglich eine Kombi-Pille zu sich nehme, teilten das Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch mit. Die Tablette enthalte die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin.

Bei Tabletten, die ausschließlich Tenofovir beinhalten, nahm die Ansteckungsgefahr immerhin noch um bis zu 62 Prozent ab. „Dies ist ein großer wissenschaftlicher Durchbruch, der noch einmal bestätigt, welch wesentliche Rolle antiretrovirale Medikamente bei der Aids-Bekämpfung spielen“, sagte UNAIDS-Direktor Michel Sidibé.

Diese neue Art der HIV-Vorbeugung heißt in der Forschungssprache PrEP (Pre-Exposure-Prophylaxis). Dabei geht es darum, Menschen, die nicht mit HIV infiziert sind, bereits vor einer möglichen Ansteckung mit antiretroviralen Medikamenten - den gleichen Mitteln, die auch HIV-Patienten erhalten - gegen das Virus zu behandeln. „Diese Studien könnten eine enorme Auswirkung auf die heterosexuelle Übertragung von HIV haben“, erklärte WHO-Chefin Margaret Chan. „Die Weltgesundheitsorganisation wird mit den einzelnen Ländern zusammenarbeiten, um die neuen Forschungsergebnisse zum Schutz von Männern und Frauen anzuwenden.“

Das „International Clinical Research Center“ der Universität Washington hatte seine Studie im Sommer 2008 bei 4758 Paaren begonnen, von denen jeweils ein Partner mit dem Virus infiziert war. Die Teilnehmer wurden eingehend beraten und erhielten Kondome für Männer und Frauen. Ein Teil der gesunden Teilnehmer nahm die antiretroviralen Medikamente ein, der andere Teil erhielt Placebos. Bis Ende Mai diesen Jahres hatten sich 47 der Placebo-Einnehmer infiziert, aber nur 18 von denen, die Tenofovir nahmen und 13, die Tenofovir und Emtricitabin in Kombination bekamen.

In Botsuana führte das „United States Centers for Disease Control“ eine ähnliche Studie bei 1200 Männern und Frauen durch. Auch in diesem Fall hatte sich die Gefahr einer Übertragung durch die Pillenverabreichung im Vergleich zur Einnahme von Placebos deutlich verringert.

Die neuen Ergebnisse sollen auch dazu beitragen, dass sich künftig mehr Menschen auf das Virus testen lassen. „Es wird derzeit geschätzt, dass nur die Hälfte der 33 Millionen Menschen, die mit HIV/Aids leben, von ihrem Krankheitsstatus wissen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Durch die neuartigen Vorbeugemaßnahmen könnten viele ermutigt werden, einen HIV-Test zu machen.

Zugleich warnten UNAIDS und WHO davor, sich mit Tabletten in Sicherheit zu wiegen: „Keine einzelne Methode schützt komplett vor HIV.“ Die Tabletten müssten mit anderen Methoden kombiniert werden wie etwa Kondomen, medizinischer männlicher Beschneidung, einer geringeren Partnerzahl und längerem Warten bis zum ersten Sex.

Von

dpa

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