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19.01.2012

09:41 Uhr

Tanz auf der Dungkugel

Mistkäfer nutzen Sonne als Navigationshilfe

Mistkäfer tanzen häufig auf ihrer gerade geformten Dungkugel. Den Grund für den Tanz haben Forscher nun herausgefunden: Er dient ihnen zur Navigation.

Ein sogenannter Pillendreher ( Scarabaeus) schiebt im Allwetterzoo Münster eine Kugel aus Wasserbock-Kot. Schwedische Forscher glauben, dem Geheimnis des Mistkäfer-Tanzes auf die Schliche gekommen zu sein. dpa

Ein sogenannter Pillendreher (Scarabaeus) schiebt im Allwetterzoo Münster eine Kugel aus Wasserbock-Kot. Schwedische Forscher glauben, dem Geheimnis des Mistkäfer-Tanzes auf die Schliche gekommen zu sein.

San FranciscoDer Tanz auf der Dungkugel machen Mistkäfer nicht aus reiner Freude, sondern zur Orientierung, wie schwedische Forscher herausgefunden haben. Bevor und während sie eine Kugel aus Mist in ihr Versteck rollen, klettern die Käfer oft auf deren Oberseite und drehen sich um die eigene Achse. Dies könne den Käfern helfen, beim Wegrollen einen schnurgeraden Kurs beizubehalten, berichten sie im Online-Fachjournal „PLoS ONE“.

Das Team um Emily Baird von der Universität Lund (Schweden) beobachtete auf einer Farm in Südafrika zunächst, wann Mistkäfer der Art Scarabaeus nigroaeneus sich auf die typische Weise drehten. Das geschah meist unmittelbar nach Fertigstellung der Kugel, kurz bevor die Käfer begannen, diese wegzurollen. Wurden sie beim Tanz durch ein Hindernis gestört oder verloren gar komplett den Kontakt mit ihrer Kugel, so kletterten sie sehr oft wieder hinauf und tanzten erneut, bevor sie ihren Weg fortsetzten.

Die Forscher vermuteten, dass der Tanz den Käfern hilft, eine gerade Richtung beizubehalten. Sie zwangen die Tiere daher in einem leicht gebogenen, oben offenen Tunnel, von ihrer einmal gewählten Richtung abzuweichen. Auch in diesem Fall tanzten die Käfer verstärkt auf ihrem Dungball, allerdings nur, wenn sie dabei den Himmel sehen konnten. In einem zweiten Experiment - diesmal mit geradem Tunnel - gaukelten die Forscher den Käfern durch Schattenblenden und Spiegel vor, dass die Sonne plötzlich auf der anderen Seite stehe. Daraufhin bestiegen die Käfer wieder häufig den Ball und drehten sich herum.

Der charakteristische Tanz diene zur Orientierung, und der Sonnenstand spiele dabei eine Hautrolle, schließen die Forscher. Die Käfer rollen ihre Dungkugeln zumindest auf einem glatten Boden oft in einem erstaunlich geraden Kurs, weg von dem Dunghaufen, von dem er stammt. Das hat einen großen Vorteil: die Tiere vermeiden damit, versehentlich wieder zum Dunghaufen zurück zu kommen, wo die Konkurrenz zwischen den Käfern groß ist und viele Tiere lieber bereits fertige Kugeln stehlen als neue anzufertigen.

Von

dpa

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