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10.02.2006

09:45 Uhr

Technologie-Transfer

Forscher erobern das Weltall

VonAnatol Johansen und Hans Schürmann

Lange Zeit war der Technologie-Transfer in der Raumfahrt eine Einbahnstraße: Für Verfahren und Produkte, die kostspielig für die Weltraumforschung entwickelt worden waren, wurden später Anwendungen auf der Erde gesucht. Mehr und mehr geht der Transfer auch in die andere Richtung: Raumfahrer entdecken für ihre Anwendungen im All neue Techniken, die an sich für die irdische Industrie oder Medizin gedacht waren.

Bei jedem Parabelflug herrscht für rund 22 Sekunden Schwerelosigkeit. Diese nutzen Wissenschaftler für ihre Forschung. Foto: DLR

Bei jedem Parabelflug herrscht für rund 22 Sekunden Schwerelosigkeit. Diese nutzen Wissenschaftler für ihre Forschung. Foto: DLR

HB DÜSSELDORF. „Das so genannte Spin-in gewinnt für die Raumfahrt ein größere Bedeutung“, bestätigt Esa-Experte Bernhard Hufenbach, der mit Kollegen eine neue Innovationsstrategie entwirft. Die Erkenntnis, nicht alles neu machen zu müssen, werde künftig systematischer umgesetzt. Besonders Innovationen im Bereich der Sicherheit und Exploration eigneten sich gut, um in Raumfahrt-Programmen genutzt zu werden. „Erfahrungen bei der Gewinnung von Bodenschätzen auf der Erde können häufig auch im Weltraum genutzt werden“, sagt Hufenbach.

Die Raumfahrt-Unternehmen seien nicht mehr in der Lage ihre technischen Herausforderungen alleine zu lösen, sagt der Bonner Technologietransfer-Experte Peter Bütfering. Sein Unternehmen Kesberg, Bütfering und Partner ist bisher darauf spezialisiert, im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation Esa Industriekunden für Raumfahrtexperimente zu gewinnen. „Künftig wird es eine weitere Aufgabe sein, Unternehmen auf die neue Innovationsstrategie der Raumfahrtorganisationen hinzuweisen“, sagt Bütfering. Was andere Branchen bereits als Technology Scouting praktizieren, werde auch in der Raumfahrt wichtiger.

Beispiel Biomedizin: Die Dortmunder Firma Diacdem hat einen nur briefmarkengroßen Mikrofluidik-Chip entwickelt – ein Minilabor, auf dem ein einziger Tropfen Blut zur Analyse ausreicht. Ursprünglich für Tests in Kliniken und Labors gedacht, könnte der Chip in Zukunft auch die Gesundheit von Astronauten im All überwachen. „Der Chip benötigt keine zusätzliche Reagenzien – ideal für Anwendung im Weltraum, wo jede Flüssigkeit eine besondere Gefahr darstellt“, sagt Diacdem-Geschäftsführer Christoph Zander.

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