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11.10.2013

05:04 Uhr

Technologietransfer

Von der Forschung zum Patent

VonSascha Karberg

Gute Ideen haben deutsche Forscher zuhauf. Doch wie lässt sich damit Geld verdienen? Technologietransfer-Büros helfen, das Wissen in Patente, Start-up-Unternehmen und schließlich in klingende Münze umzusetzen.

Nicht nur um Spitzenforschung, sondern auch um gute Vermarktung ihrer Forschungsergebnisse kümmern sich viele Universitäten inzwischen selbst. dpa

Nicht nur um Spitzenforschung, sondern auch um gute Vermarktung ihrer Forschungsergebnisse kümmern sich viele Universitäten inzwischen selbst.

BerlinEs war im Jahr 2001, als der Forscher Thomas Tuschl am Göttinger Max-Planck-Institut eine Technik entwickelte, mit der sich krankmachende menschliche Gene stilllegen lassen. 12 Jahre später hat die Max-Planck-Gesellschaft, beziehungsweise das Technologietransfer-Büro „Max-Planck-Innovation“, mit den Lizenzgebühren auf diese Technik einen zweistelligen Millionenbetrag verdient.

Früher waren Universitäten und Forschungsgesellschaften wie die Max-Planck-Gesellschaft oder die Helmholtz-Gemeinschaft hehre Orte des Erkenntnisgewinns. Um wirtschaftlichen Nutzen der Forschungsergebnisse sollten sich andere kümmern. Doch irgendwann dämmerte es den Wissenschaftsmanagern, dass andere mit ihrem Wissen Profite machen.

Inzwischen helfen Technologietransfer-Büros den Forschern nicht nur beim Schreiben und Einreichen von Patentanträgen, sondern knüpfen auch Kontakte zu potenziellen Investoren für die Gründung von Startup- oder Spinoff-Unternehmen. Und spülen auf dem Weg von Lizenzzahlungen auch Geld in die Kassen der klammen Universitäten.

Praktisch jede Uni hat ihr eigenes Transferbüro

Technologietransfer-Büros sind an den Universitäten relativ neue Einrichtungen. Bis 2002 hatten Professoren das Privileg, ihre Erfindungen selbst patentieren und für die Gründung von Unternehmen nutzen zu können. Als Reaktion auf den Bayle-Dole Act in den USA, der Universitäten und Forschungseinrichtungen seit 1982 erlaubte, Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung eigenständig patentieren und kommerzialisieren zu dürfen, sind auch deutsche Universitäten durch das Arbeitnehmererfindungsgesetz seit 2002 am Eigentum und der Vermarktung von Ideen und Patenten beteiligt.

Daraufhin richtete praktisch jede Universität ihr eigenes Transferbüro ein. Allerdings ausgestattet mit unterschiedlicher Expertise, sagt Erik Lehmann, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Augsburg, der 2011 eine Studie zu deutschen Technik-Transfer-Büros veröffentlichte.

Lehmann sieht große Qualitätsunterschiede in den Technologietransferbemühungen verschiedener Universitäten. Zum einen liege das daran, dass die Büros Teil der Universitätsbürokratie seien und nicht „eigenständige und proaktive Einheiten im Technologie-Transfer-Prozess“. Ein Grund dafür läge in der Art und Weise der Arbeitsaufteilung und Spezialisierung in den Transferbüros, aber auch in der nicht leistungsbezogenen Entlohnung.

Außerdem mache es das Gesetz Innovatoren aus Universitäten extrem unattraktiv, ihre Ideen über Technologietransferbüros der Universitäten zu vermarkten, sagt Lehmann: „Die Anreize sind falsch gesetzt, so dass die besten Ideen an der Universität vorbei verkauft werden – oder aber gar nichts gemacht wird.“

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