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31.03.2017

10:15 Uhr

Telemedizin

Ärzte sind offen für die Videosprechstunde

VonMaike Telgheder

Digitaler Arztbesuch: Ab 1. April wird die Videosprechstunde von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Eine exklusive Umfrage des Ärztenetzwerks Coliquio zeigt: Die Mehrheit der Ärzte ist offen für das neue Angebot.

Ab 1. April können Ärzte auch die telemedizinische Beratung für Kassenpatienten abrechnen.

Digitale Alternative zum Arztbesuch

Ab 1. April können Ärzte auch die telemedizinische Beratung für Kassenpatienten abrechnen.

FrankfurtDer digitale Arztbesuch, das Gespräch mit dem Doktor via Videokonferenz, wird immer populärer. Start-Ups wie Dr. Ed, Teleclinic und Patientus bieten solche Services seit vielen Monaten an. Aber die entscheidende Hürde – die Erstattung dieses Angebots durch die gesetzlichen Krankenkassen – wird erst jetzt genommen. Ab 1. April können Ärzte die telemedizinische Beratung für Kassenpatienten abrechnen: Das macht das Angebot für viele Ärzte interessanter.

Die Mehrheit der Ärzte steht dem Thema positiv gegenüber. Das zeigt eine exklusive Umfrage des Ärztenetzwerks Coliquio. Rund 170.000 Ärzte sind mittlerweile auf der vor zehn Jahren gegründeten Plattform aktiv, um sich unter anderem über Patientenfälle auszutauschen.

Videosprechstunde

Wie werden Videosprechstunden vergütet?

Für Videosprechstunden erhalten Praxen bis zu 800 Euro jährlich pro Arzt. Ab April gibt es für jede Videosprechstunde einen Technikzuschlag von 4,21 Euro. Dieser wird für bis zu 50 Videosprechstunden im Quartal gezahlt, auch mehrmals im Behandlungsfall. Diese Mittel - bei vier Videosprechstunden pro Woche - dienen zur Hälfte zur Deckung der Kosten, die durch die Nutzung eines Videoanbieters anfallen; die andere Hälfte der Förderung von Videosprechstunden.

Ist das kostendeckend?

Der Bewertungsausschuss von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen geht davon aus, dass eine Kostendeckung bereits bei zwei Videosprechstunden pro Woche erreicht ist. Die Lizenzgebühren für Videodienste liegen aktuell bei etwa 100 Euro im Quartal. Videosprechstunden sollen eine persönliche Vorstellung in der Praxis ersetzen. Die Konsultation ist deshalb Inhalt der Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale und somit nicht gesondert berechnungsfähig. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) kritisiert, dass die Videosprechstunde ohne ärztliche Vergütung ist. Er warnt vor einem verheerenden Signal für die Nutzung von neuen Medien in der ambulanten Medizin.

Welche Behandlungen werden vergütet?

Für eine Videosprechstunde sind aus Sicht des Bewertungsausschusses nicht alle Krankheitsbilder geeignet, weshalb die Leistung zunächst nur für bestimmte Indikationen vergütet wird. Dazu zählen die visuelle Verlaufskontrolle von Operationswunden, Bewegungseinschränkungen und -störungen des Stütz- und Bewegungsapparates sowie die Kontrolle von Hautkrankheiten (Dermatosen), einschließlich der diesbezüglichen Beratung. Daneben kann auch die Beurteilung der Stimme, des Sprechens oder der Sprache per Videosprechstunde erfolgen. Eine Erweiterung des Leistungsspektrums ist vorgesehen. Grundlage für die Festlegung der Krankheitsbilder waren Erfahrungsberichte aus verschiedenen Pilotprojekten. Zudem schreibt der Gesetzgeber vor, dass Videosprechstunden nur für Verlaufskontrollen bei bekannten Patienten gefördert werden sollen.

Rund 57 Prozent der befragten Mediziner würden eine telemedizinische Sprechstunde anbieten. 43 Prozent lehnen das allerdings ab. Insgesamt nahmen 386 Ärzte an der Onlineumfrage teil.

Rund ein Viertel der Befragten (24) Prozent würde die Videosprechstunde auf den Fall beschränken, dass der Patient nicht mobil ist. Die übrigen Befürworter wollen den digitalen Arztbesuch ermöglichen, weil es die Patienten erwarten und er ihnen Vorteile bringt. 16 Prozent der Befragten wollen die Entwicklung wegen ihrer Wettbewerbssituation als Arzt mitgehen.

Konkret beschäftigt mit dem Thema Videosprechstunde hat sich derzeit allerdings erst jeder zweite Arzt: 12 Prozent der Befragten sehen sich hier bereits bestens im Bilde, knapp 36 Prozent fühlen sich noch nicht ausreichend informiert.

Von den rund 200 Medizinern, die sich vorstellen können, eine Videosprechstunde anzubieten, sind die allermeisten in punkto Technik noch im Stadium der Suche: Knapp 80 Prozent dieser Gruppe sind noch unentschlossen und wollen sich erst noch nach den technischen Möglichkeiten erkundigen.

16 Prozent der Befragten haben dagegen schon eine technische Lösung für sich gefunden und vier Prozent der Befragten sind schon ausgerüstet und haben Videosprechstunden bereits durchgeführt. Bezogen auf die Gesamtzahl der Ärzte, die an der Umfrage teilgenommen haben, bieten 2,4 Prozent der Befragten derzeit bereits ein Patientengespräch per Video an.

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