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31.10.2014

13:20 Uhr

The Big U

Ein grüner Schutzwall für Manhattan

VonManuela Imre

Vor zwei Jahren setzte der Supersturm Sandy Teile von New York unter Wasser. Der Schutzwall „The Big U” soll künftig die Spitze der Insel Manhattan sichern – ein deutscher Auswanderer plant das gigantische Projekt.

The Big U ist nicht nur als Schutzwall gedacht, er soll den New Yorkern auch mehr Grünflächen und Lebensraum geben.

The Big U ist nicht nur als Schutzwall gedacht, er soll den New Yorkern auch mehr Grünflächen und Lebensraum geben.

New YorkVor genau zwei Jahren stand Kai-Uwe Bergmann knietief im Wasser, wo sich sonst der Eingang zu seinem Wohngebäude im New Yorker Stadtteil Chelsea befand. Der Flur glich einem Pool, sein Apartment in den oberen Stockwerken war ohne Strom, draußen schwammen Autos, wo sonst eine Straße war. Der untere Teil Manhattans war geflutet, vor der New Yorker Börse häuften sich Sandsäcke, die Stadt war im Ausnahmezustand.

Sandy hatte in den letzten Oktobertagen 2012 gnadenlos zugeschlagen. Der Supersturm war mit einer Windstärke von gut 150 km/h auf die Insel zugerast, hatte Flutwellen und Brände ausgelöst und ganze Nachbarschaften platt gewalzt. Vor allem die Spitze Manhattans und die umliegenden Stadtteile in Wassernähe waren böse zugerichtet. Rund 20 Milliarden Dollar Schaden richtete Sandy allein in New York an.

Bergmann konnte zwei Wochen lang weder in die Wohnung noch in sein Büro ein paar Blocks entfernt. Jetzt soll er New York vor dem nächsten Sturm bewahren. Bergmann arbeitet für das dänische Architekturbüro BIG, das sich mit Stadtplanung, Forschung und Entwicklung beschäftigt. BIG, das vom jungen dänischen Architektenstar Bjarke Ingels gegründet wurde,  hat den Auftrag einen riesigen Schutzwall zu errichten, der die Spitze Manhattans künftig schützen soll. Der Name des Projekts: The Big U.

„Einen solchen Sturm und die Verwüstungen mitzuerleben, ist schlimm. Das Wissen, dass es jederzeit wieder passieren kann, toppt aber alles“, sagt der 45-Jährige in fließendem Deutsch. Im niedersächsischen Einbeck geboren, wanderte er als Sechsjähriger mit seinen Eltern in die USA aus.

Dass Sandy kein Einzelfall bleibt, ist mehr als wahrscheinlich. Die Frage ist nur, wann und wie schlimm der nächste Wirbelsturm auf die Millionenmetropole prallen wird. „Auf diesen Moment wollen wir die Stadt vorbereiten“, sagt Bergmann.

Nachdem sein Büro einen Ideenwettbewerb des U.S Department of Housing and Urban Development gewonnen hatte, machten sich Bergmann und sein Team an die Arbeit. Zehn Monate lang überlegten sie, rechneten, zeichneten. Heraus kam eine Schutzmauer, die sich um die Spitze Manhattans schlängeln und über acht Meilen (13 Kilometer) hinweg wie eine Festung absichern soll.

Das sogenannte „Big U” soll Manhattan schützen, andere Architektenbüros kümmern sich um die umliegenden Gebiete wie Staten Island oder Coney Island. Die Regierung hat knapp 60 Milliarden Dollar bereitgestellt – zum Wiederaufbau, aber auch zur Prävention. Auch wenn die komplette Finanzierung für die einzelnen Projekte noch nicht steht, für BIG geht es nun in die nächste Phase.

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