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08.08.2011

12:04 Uhr

Tiefsee

Russland rüstet sich für den Polar-Krieg

VonFlorian Willershausen

Russland hat deutlich gemacht, dass es seine Ansprüche auf die arktischen Rohstoffe im Ernstfall auch militärisch geltend machen würde. Bald sollen die für einen Polar-Krieg ausgerüsteten Truppen einsatzbereit sein.

Regierungschef Wladimir Putin kündigte an, Russland werde die "eigenen geopolitischen Interessen hart und konsequent verteidigten". Quelle: Reuters

Regierungschef Wladimir Putin kündigte an, Russland werde die "eigenen geopolitischen Interessen hart und konsequent verteidigten".

MoskauWladimir Putin zeigte sich einmal mehr von seiner martialischen Seite, als er unlängst auf einer Parteiversammlung in Jekaterinburg die russischen Ansprüche auf die arktischen Rohstoffe deutlich machte: "Wir sind für einen Dialog mit unseren ausländischen Partnern offen", betonte der Regierungschef, "aber wir werden unsere eigenen geopolitischen Interessen hart und konsequent verteidigten."

Bei dieser allgemeinen Drohung sollte es nicht bleiben. Russlands Marinechef Wladimir Wyssotski kündigte bereits an, er werde zwei Spezialeinheiten zum Schutz der russischen Rohstoffansprüche in der Arktis bilden. Noch in diesem Jahr, so der Admiral, sollen die für einen Polar-Krieg ausgerüsteten Truppen einsatzbereit sein. Die Russen, so viel steht fest, sind notfalls bereit, um ihre Gebietsansprüche und die Rohstoffvorkommen in der Arktis zu kämpfen.

Vorerst bleibt es noch bei Drohgebärden. Oberste Priorität der Russen ist es, zunächst die Ansprüche auf das Arktis-Gebiet wissenschaftlich zu untermauern. Hierzu stach das Forschungsschiff "Akademik Fjodorow" in Begleitung eines atomgetriebenen Eisbrechers Ende Juni zur zweiten Forschungsreise in See. An Bord sind russische Seismologen, die den küstennahen Meeresboden vermessen. Im Vorjahr wurde schon das arktische Bodenrelief per Echolot vermessen. Mit den wissenschaftlichen Ergebnissen will Russland einen Antrag zur Arktis-Erschließung stützen, der der Uno bis Anfang 2014 vorgelegt werden soll. Im Kern erhebt Moskau Anspruch auf die Meeresrücken "Mendelejew" und "Lomonossow". Die russischen Geologen betrachten diese beiden Unterwasser-Gebirge als Fortsetzung des russischen Kontinentalschelfs. Dort bereitet der Gazprom-Konzern schon die Erschließung des Gasvorkommens "Schtokman" vor.

Während das küstennahe Flüssiggas-Revier "Schtokman" unumstritten zum russischen Territorium zählt, erheben neben Russland auch Norwegen, Kanada, Dänemark und die USA Ansprüche auf das zentrale Arktis-Gebiet. Auf der Fläche von 1,2 Millionen Quadratkilometern vermuten Forscher ein Viertel der bisher nicht entdeckten Öl- und Gasvorräte, außerdem Nickel und Kobalt.

Unklar bleibt, ob Russland die Vorkommen zu bezahlbaren Kosten fördern kann. Das Schtokman-Vorkommen liegt in einer überschaubaren Tiefe von 320 Metern, trotzdem belaufen sich die Investitionskosten auf bis zu 20 Milliarden Dollar. Um die weitaus tiefer gelegenen arktischen Schätze zu heben, müssten russische Konzerne noch viel höhere Summen investieren - und über Know-how verfügen, das sie noch nicht haben.

Der Kampf um die Arktis-Rechte ist auch nicht mit einem konkreten Business-Plan verbunden. Moskau geht es ums Prinzip. Das wurde schon im Sommer 2007 deutlich, als die Russen eine Titan-Fahne mit der weiß-blau-roten Trikolore auf dem arktischen Meeresboden befestigten. Die Stationierung von Arktis-Spezialtruppen bis zum Jahresende wird ein noch deutlicheres Signal für die arktischen Besitzansprüche Moskaus sein.

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