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18.03.2013

10:14 Uhr

Tiefseeforschung

Keine Wüste unter Wasser

Für Hollywood-Regisseur James Cameron war sein Ausflug zum tiefsten Punkt der Erde eine Art Reise in die Wüste. Doch so tot ist der Meeresboden in 11.000 Metern Tiefe keineswegs, wie Forscher jetzt nachweisen konnten.

Die Topografie des Marianengrabens: Die Challenger-Tiefe erhielt ihren Namen nach dem britischen Forschungsschiff Challenger II, das dort 1951 mit Lotungen die tiefste Stelle des Meeresbodens bestimmte. Max-Planck-Gesellschaft

Die Topografie des Marianengrabens: Die Challenger-Tiefe erhielt ihren Namen nach dem britischen Forschungsschiff Challenger II, das dort 1951 mit Lotungen die tiefste Stelle des Meeresbodens bestimmte.

DüsseldorfAls Regisseur James Cameron im vergangenen Jahr als dritter Mensch überhaupt mit einem U-Boot zum Grund des Marianengrabens vorstieß, berichtete er von einem „sterilen, fast wüstenähnlichen Ort“. Zu ganz anderen Ergebnissen kommt ein internationales Forscherteam, das diesen extremen Lebensraum in 11.000 Metern Wassertiefe genauer erkundet hat. Laut ihren im Fachmagazin „Nature Geoscience“ veröffentlichten Ergebnissen geht es am tiefsten Punkt der Erde weitaus lebendiger zu als bisher gedacht.

Vielleicht sei Camerons Sicht „vor Aufregung vernebelt“ gewesen, sagt Eric Epping vom Royal Netherlands Institute for Sea Research. Für ihn sind die neusten Erkenntnisse seiner Kollegen aus Dänemark, Deutschland, Japan und Schottland jedenfalls sehr bemerkenswert. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Mikroorganismen in dieser tiefsten Senke der Erdoberfläche trotz des extrem hohen Wasserdrucks viel aktiver sind als in seichteren Meeresgebieten.

Tiefseegräben sind Orte von hoher mikrobieller Aktivität, denn der Eintrag von organischem Material ist ungewöhnlich hoch. Dazu zählen absinkende Kadaver von Meerestieren, aber auch Reste von Algen, die sporadisch immer wieder in großen Mengen auf den Meeresboden sinken. An den Grabenhängen kann dieses Material in die tiefsten Stellen des Grabens abrutschen, wenn etwa Erdbeben den Boden erschüttern.

Die Forscher um Ronnie Glud von der Universität Süddänemark ließen einen Tauchroboter in das Challengertief hinab, die vermutlich tiefste Stelle des Marianengrabens. Mit dem Gerät maßen sie die Sauerstoffverteilung im Sediment des Grabens sowie an einer Referenzstelle auf 6000 Metern Tiefe.

„Daraus können wir die bakterielle Sauerstoffaufnahme, also die Atmung, berechnen“,  sagt Frank Wenzhöfer vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, dessen Team an der Untersuchung beteiligt war. „Zusammen mit der Information über den Gehalt an organischem Kohlenstoff im Sediment können wir so die mikrobielle Aktivität im Sediment abschätzen.“

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