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15.01.2005

13:45 Uhr

Forschung + Medizin

Titan-Mission liefert fantastische Daten

Die europäische „Huygens“-Mission zum Saturnmond Titan hat fantastische Daten geliefert. „Die ersten Ergebnisse haben mich umgehauen“, sagte Esa-Wissenschaftsdirektor David Southwood bei der Präsentation in der Raumfahrtkontrollstation Esoc in Darmstadt.

Erste Fotos vom Titan

Auch wenn Laien hier nur eine Scheibe Mischbrot vom Dichten sehen: Diese Fotos sind eine wissenschaftliche Sensation.

dpa DARMSTADT. Die europäische „Huygens“-Mission zum Saturnmond Titan hat fantastische Daten geliefert. „Die ersten Ergebnisse haben mich umgehauen“, sagte Esa-Wissenschaftsdirektor David Southwood bei der Präsentation in der Raumfahrtkontrollstation Esoc in Darmstadt.

Alle sechs Geräte hätten fehlerfrei gearbeitet. Getrübt werde der Erfolg durch den Ausfall eines der beiden Übertragungskanäle. Dadurch seien Daten der Windmessung und für rund 350 Bilder verloren gegangen. Ein Großteil der fehlenden Informationen könne jedoch aus Signalen, die auf der Erde aufgezeichnet wurden, rekonstruiert werden.

„Bislang sehen wir nur das Potenzial. Die Auswertung wird noch viele Monate und Jahre dauern“, sagte Southwood. Den Ausfall des einen Kanals wertete er als „Opfer an die Götter“. Spekulationen, die amerikanische Raumsonde „Cassini“, über die die Informationen von „Huygens“ zur Erde gesendet wurden, sei falsch programmiert gewesen, wies Southwood zurück. „Für das, was passiert ist, ist allein die Esa verantwortlich.“

Ein Gott habe sich auch als gnädig erwiesen. „Aus dem Signal von "Huygens", das von 18 Radioteleskopen auf der Erde aufgefangen wurde, können wir bis zu 90 Prozent der Windmess-Daten rekonstruieren“, sagte Southwood. „Da wartet jede Menge Arbeit auf die Wissenschaftler, aber Wissenschaftler lieben Arbeit, dafür leben sie.“

Die Daten bestätigten die Annahmen der Wissenschaftler, dass die Oberfläche des Titan aus Methan-Seen und -flüssen und kleinen und großen Brocken aus Wassereis besteht, sagte der amerikanische Wissenschaftler Marty Tomasko, der für die Fotos verantwortlich ist. Auf dem Trabanten, auf dem eine Temperatur von minus 180 Grad herrsche, befänden sich außerdem jede Menge organischer Verbindungen. Aus diesem Grund werde der Titan mit dem Zustand der Erde in ihren Anfängen vor rund 3,8 Mrd. Jahren verglichen. Wissenschaftler halten es für durchaus denkbar, dass sich auch hier Leben entwickelt hat oder entwickeln könnte.

Tomasko bat die Öffentlichkeit um Geduld. Die Bearbeitung der Bilder werde noch Wochen dauern. Er zeigte ein aus mehreren Schwarz- Weißfotos zusammengesetztes Panorama, das dem Anflug über einer Küste ähnelte. Die weißen Flächen könnten Bodennebel sein, sagte Tomasko. Er vermute, dass „Huygens“ auf einer sumpfartigen orangefarbigen Fläche gelandet sei. Das Foto aus seiner Umgebung zeige etwa 15 Zentimeter hohe Steine aus Wassereis, die durch die Perspektive wesentlich größer erscheinen.

Marcello Fulchignoni präsentierte auch Töne aus der Atmosphäre des Titan: ein lautes Rauschen. „Wenn man genau hinhört, sind Unterschiede zu erkennen, aber die genaue Analyse erfordert Zeit.“ Publikumswirksamer war die zweite Probe, für die sein Team Radarmessungen in Töne umsetzte. Je näher „Huygens“ der Oberfläche kam, desto mehr schneller und höher wurde die Melodie, die an aktuelle Discomusik erinnerte. „Sie sind alle zu einer Techno-Party auf dem Titan eingeladen“, sagte Fulchignoni. In den kommenden Monaten werden die Wissenschaftler die Daten weiter entschlüsseln.

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