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10.05.2011

10:51 Uhr

Titan-Mission Time

Mit dem Boot über den Saturnmond

VonThomas Trösch

Die Nasa hat drei Projekte benannt, die in den kommenden Jahren im Rahmen ihres Discovery-Projekts realisiert werden könnten. Darunter ist der Titan Mare Explorer – die erste Monderkundung per „Wasserfahrzeug“.

So sieht ein Nasa-Künstler die Time-Mission: 2023 könnte der Titan Mare Explorer den Saturnmond erkunden. Quelle: Nasa

So sieht ein Nasa-Künstler die Time-Mission: 2023 könnte der Titan Mare Explorer den Saturnmond erkunden.

DüsseldorfZum ersten Mal in der Geschichte der Planetenforschung könnte ein fremder Himmelskörper per Boot erkundet werden. Die US-Weltraumbehörde Nasa hat jetzt drei Forschungsprojekte in die engere Wahl für eine Realisierung bis zum Jahr 2016 genommen. Unter den Kandidaten ist der Titan Mare Explorer (Time), mit dem einer der großen Methanseen auf Titan erkundet werden soll.

Ähnlich wie auf der Erde finden sich auch auf dem Saturnmond Titan riesige Seen. Einzelne dieser „Gewässer“ aus Methan, das unter den Bedingungen des Mondes in flüssiger Form vorkommt, erstrecken sich über Flächen von mehr als 100.000 Quadratkilometer. Über die genaue Beschaffenheit der Methanseen ist bislang nur wenig bekannt.

Die Mission Time soll das ändern. Die bisherigen Planungen sehen den Start einer Sonde im Jahr 2016 vor. Nach Erreichen des Mondes im Jahr 2023 würde das untertassenförmige Boot an einem Fallschirm auf Titan niedergehen.

Nach dem Eintauchen in einem der Seen soll das Fahrzeug verschiedene Untersuchungen durchführen, während es langsam über die Wellen schaukelt. Messungen zu Temperatur, chemischer Zusammensetzung, Tiefe sowie eine Untersuchung der Küstenbeschaffenheit stehen unter anderem auf dem Programm. Die notwendige Energie für die Instrumente an Bord liefert eine Plutonium-Batterie, auf einen eigenen Antrieb für das Fahrzeug wollen die Nasa-Experten dagegen verzichten.

Möglicherweise könnte Time sogar Antwort auf die Frage nach Lebensformen auf dem Saturnmond liefern. Manche Wissenschaftler halten die Existenz winziger Organismen für möglich, welche die Energie nutzen, die bei der Reaktion  von Wasserstoff mit Acetylen frei wird. Solche Lebensformen könnten ihre Anwesenheit durch bestimmte Auffälligkeiten in der chemischen Zusammensetzung der Titan-Seen verraten.

„Missionen wie diese versprechen einen großen Erkenntnisgewinn“, so Nasa-Chef Charles Bolden bei der Vorstellung der Forschungsprojekte. „Sie erweitern zudem unseren Aktionsradius im Sonnensystem und inspirieren künftige Forschergenerationen.“

Time ist Teil des Discovery-Programms der Nasa. Insgesamt drei Missionen bewerben sich um den mit 425 Millionen Dollar gefüllten Fördertopf – neben Time ein Projekt zur Marserkundung sowie eine Kometenmission. Im kommenden Jahr soll die endgültige Entscheidung darüber fallen, welches der drei Forschungsprojekte tatsächlich verwirklicht werden wird.

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