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13.12.2016

12:47 Uhr

Tödliche Tropenkrankheit

Alle zwei Minuten stirbt ein Kind an Malaria

Kleiner Stich mit bösen Folgen: Malaria ist in vielen Regionen der Welt eine der Haupttodesursachen. Geldmangel und Resistenzen erschweren den Kampf gegen die Tropenkrankheit, wie ein aktueller Bericht belegt.

Moskitonetze gelten nach wie vor als wirksamste Waffe gegen die Tropenkrankheit Malaria, der vor allem Kinder zum Opfer fallen.

Moskitonetz gegen Malaria

Moskitonetze gelten nach wie vor als wirksamste Waffe gegen die Tropenkrankheit Malaria, der vor allem Kinder zum Opfer fallen.

LondonMehr als 70 Prozent aller Malaria-Toten im vergangenen Jahr waren Kinder. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Malaria-Report der Weltgesundheitsorganisation WHO hervor. Fast 430.000 Menschen sind demnach im vergangenen Jahr an der Tropenkrankheit gestorben. Die meisten Opfer waren jünger als fünf Jahre, rein rechnerisch kam etwa alle zwei Minuten ein Kind durch Malaria ums Leben.

Die weitaus meisten Todesfälle (92 Prozent) gab es in Afrika. Grund für die anhaltende Verbreitung der Krankheit ist der WHO zufolge vor allem, dass 40 Prozent der Menschen in den betroffenen Regionen nicht unter Mückennetzen schlafen. Außerdem benutzten die wenigsten Insektenbekämpfungsspray. Die Erreger von Malaria werden durch Stechmücken auf den Menschen übertragen.

Malaria

Wie steckt man sich mit Malaria an?

Malaria wird durch weibliche Anopheles-Mücken übertragen. Die Plagegeister stechen vor allem nachts, um an ihre Blutmahlzeit zu kommen. Die Krankheitserreger – sogenannte Plasmodien – gelangen so in die Blutbahn und vermehren sich in der Leber. Ansteckungen von Mensch zu Mensch sind nicht möglich. Die heimtückische Krankheit kommt vor allem in Afrika, aber auch in Asien und in Lateinamerika vor.

Wieso sterben immer noch so viele Menschen an Malaria?

Es existieren verschiedene Malaria-Formen. Die Malaria tropica gilt als die gefährlichste. Typische Kennzeichen sind Abgeschlagenheit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Sie kann auch zu Nierenversagen, Milz- und Lungenschäden sowie neurologischen Störungen führen. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann man binnen Tagen daran sterben. Die Opfer sind oft arme Menschen in abgelegenen Regionen Afrikas. Der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen die Krankheit liegt also auch im Geld.

Wie kann man sich vor Malaria schützen?

Es gibt Medikamente, die allerdings keinen hundertprozentigen Schutz vor Malaria bieten. Eine flächendeckende Impfung gibt es bislang nicht. Die beste Prävention ist daher der Schutz vor Mückenstichen. Die WHO empfiehlt zum Beispiel das Tragen langer Kleidung und vor allem in Ländern südlich der Sahara ein Moskitonetz, das mit insektenabtötenden Substanzen imprägniert ist. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Risikogebieten Afrikas (53 Prozent) hat inzwischen einen solchen Schutz – fünf Jahre zuvor waren es nur 30 Prozent.

Kommt Malaria auch in unseren Breiten vor?

Mit Malaria konnte man sich früher in vielen europäischen Ländern anstecken, bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts auch in Deutschland. Inzwischen gibt es hierzulande nur noch eingeschleppte Fälle. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden im Jahr 2015 insgesamt 1068 Erkrankungen gemeldet – so viele wie nie zuvor. Die meisten Infizierten hatten sich in Afrika angesteckt. Experten vermuten, dass Flüchtlinge aus Afrika zu dem Höchststand beigetragen haben könnten.

Gibt es Fortschritte bei der Bekämpfung?

In jedem Fall, verschiedene Studien belegen das. So ist die weltweite Lebenserwartung in den vergangenen 35 Jahren um etwa zehn Jahre gestiegen, wie eine kürzlich im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichte Untersuchung zeigt. Grund sei vor allem der erfolgreiche Kampf gegen verschiedene Infektionskrankheiten. Dazu zähle auch Malaria, berichteten die federführenden Autoren der US-amerikanischen Universität von Washington in Seattle.

Die WHO berichtet in ihrem in London veröffentlichten Report aber auch über große Erfolge. Die Zahl der Neuerkrankungen sei zwischen 2010 und 2015 weltweit um 21 Prozent und die Sterblichkeitsrate um etwa 29 Prozent zurückgegangen. Mit Kirgistan und Sri Lanka gelten zudem zwei weitere Staaten seit einigen Monaten offiziell als malariafrei.

„Vor allem die Lage der Frauen und Kinder in Afrika hat sich deutlich gebessert“, berichtete der Direktor des WHO-Malaria-Programms, Pedro Alonso. So seien schnelle Diagnosen bei Kindern und die vorbeugende Behandlung von Schwangeren mit dem Mittel Sulfadoxin-Pyrimethamin erheblich ausgeweitet worden. Dadurch konnte das Leben vieler Schwangerer und Babys gerettet werden.

In Deutschland gibt es nur eingeschleppte Fälle von Malaria. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin wurden im vergangenen Jahr 1068 Erkrankungen registriert – so viele wie nie zuvor. Experten vermuten, dass infizierte Flüchtlinge aus Afrika zu dem Höchststand beigetragen haben könnten.

Kommentare (1)

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13.12.2016, 14:57 Uhr

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