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28.07.2011

07:59 Uhr

Trojaner entdeckt

Die Erde hat einen neuen Begleiter

Bislang galt der Mond als einziger Trabant, der der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne folgt. Jetzt haben Forscher einen neuen Begleiter entdeckt.

Asteroid 2010 TK7 auf seiner Bahn um die Sonne. Grün markiert der Bereich, in dem der Trojaner auf seinem Weg um die Sonne pendelt. Quelle: University of Western Ontario

Asteroid 2010 TK7 auf seiner Bahn um die Sonne. Grün markiert der Bereich, in dem der Trojaner auf seinem Weg um die Sonne pendelt.

LondonDie Erde hat neben dem Mond einen weiteren Begleiter auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne. Es ist ein sogenannter Trojaner – ein Asteroid von etwa 300 Metern Durchmesser, der der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne vorauseilt.

Als Trojaner bezeichnen Astronomen Himmelskörper, die auf der gleichen Umlaufbahn wie ein Planet um die Sonne kreisen, jeweils in der Nähe ganz bestimmter Bahnpunkte. Trojaner sind in unserem Sonnensystem häufig anzutreffen, so besitzt allein Jupiter mehr als 4000 solcher Begleiter. Da diese Jupiter-Asteroiden nach Figuren des trojanischen Krieges benannt wurden, heißen alle Brocken mit diesen speziellen Umlaufbahnen Trojaner.

Auch für die Erde war die Existenz von Trojanern vermutet worden. Da diese Himmelskörper aber meist am hellen Taghimmel in Erscheinung treten sollten, waren sie bisher kaum zu entdecken.

Erst mit dem 2009 gestarteten Weltraumteleskop WISE (Wide-field Infrared Survey Explorer) verbesserten sich die Beobachtungsmöglichkeiten entscheidend. Mit seiner Hilfe gelang es Martin Connors von der Athabasca Universität in Kanada nun, einen trojanischen Begleiter der Erde aufzuspüren.

Der Asteroid kreist in einer regelmäßigen Umlaufbahn um einen der Lagrange-Punkt der Erde. Nach den Gesetzen der Himmelsmechanik gibt es auf der Umlaufbahn eines Planeten mehrere besondere Punkte, die nach einem französischen Mathematiker als Lagrange-Punkte bezeichnet werden. An zwei dieser Punkte, die ein gutes Stück vor und hinter dem Planeten liegen, kommen die Schwerefelder der Sonne und des Planeten so zusammen, dass kleine Himmelskörper hier eine stabile Umlaufbahn finden können.

Auf dem vorderen Lagrange-Punkt, rund 150 Millionen Kilometer von uns entfernt, eilt der jetzt entdeckte Trojaner „2010 TK 7“ der Erde voraus. Und das seit mindestens 10.000 Jahren. So lange dürfte die Umlaufbahn des Trojaners bereits stabil sein, berechneten die Wissenschaftler anhand von Computermodellen.

Weitere 10.000 Jahre könnte das System aus Erde und Trojaner noch in dieser Form durchs All ziehen, so die Prognose der Forscher. Was danach kommt, entzieht sich derzeit genauer Berechnung: Chaotische Effekte im Planetensystem verhindern eine weitergehende Vorhersage.

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