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20.10.2015

11:18 Uhr

Tückische Tropenkrankheit

Neu-Delhi kämpft gegen das Dengue-Fieber

Mehr als 10.000 Fälle des tückischen Dengue-Fiebers hat Neu-Delhi in diesem Jahr schon registriert und immer noch kommen neue Fälle hinzu. Die Krise wirft ein Schlaglicht auf die tiefe Kluft im Gesundheitssystem Indiens.

Weder Insektizide noch Aufklärungskampagnen konnten bislang den gewaltigen Ausbruch von Dengue-Fieber in Indiens Hauptstadt stoppen. dpa

Kampf gegen die Mückenplage in Neu-Delhi

Weder Insektizide noch Aufklärungskampagnen konnten bislang den gewaltigen Ausbruch von Dengue-Fieber in Indiens Hauptstadt stoppen.

Neu-DelhiIn der Abenddämmerung kommen die Männer mit den Sprühflaschen und hinterlassen süßliche Insektizid-Wolken. Quer durch die indische Hauptstadt warnen Plakate vor der Gefahr stehender Wasserreste in offenen Kanistern, in Müll und Pfützen. Doch weder Spray noch Aufklärung konnten bislang den diesjährigen gewaltigen Ausbruch von Dengue-Fieber in Neu-Delhi stoppen.

Rund 10.200 Fälle der von Moskitos übertragenen Tropenkrankheit wurden bereits bekannt, täglich kommen neue hinzu. Damit liegt die Zahl fast beim Rekordwert von 1996, als die jährlichen Aufzeichnungen begannen. Damals allerdings starben 423 Menschen an der tückischen Virus-Erkrankung, in diesem Jahr wurden bislang 32 Tote gemeldet.

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Das gefährliche Dengue-Fieber breitet sich weltweit aus, Impfungen und Medikamente gibt es bislang nicht. Der Brite Luke Alphey hat trotzdem einen Weg gefunden, die Krankheit einzudämmen - mit einem genetischen Trick.

Doch auch diese Todesfälle hätten weitgehend vermieden werden können, meinen Experten. „Das ist kein Hexenwerk“, sagt Manish Kakkar von der Indischen Stiftung für Öffentliche Gesundheit. „Wir wissen, was wir tun müssen. Aber in Indien reichen die Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit weder in Quantität noch in Qualität aus.“

Stadtverwaltung in der Kritik

So hätte die Stadtverwaltung eher auf die vorhergesagte längere Monsunzeit und damit längere Eiablagezeit der Stechmücken reagieren müssen, kritisieren Fachleute. Die Aedes-Mücke, die das Dengue-Virus überträgt, hat stattdessen in stehendem Wasser zu viele willkommene Brutplätze für ihre Larven gefunden. Hätte die Stadtverwaltung früher mit der Bekämpfung der Larven und Mücken begonnen, hätte der Ausbruch abgefedert werden können, betonen die Kritiker.

„Wenn sie rechtzeitig aufräumen, wenn sie rechtzeitig mit ihren Maßnehmen gegen die Moskitos und gegen die Larven beginnen, dann können sie Dengue Einhalt gebieten“, sagt der Arzt Devendra Jain. In seiner kleinen Praxis im Süden Neu-Delhis drängen sich die Patienten, viele mit Dengue-Symptomen.

Dengue-Fieber kann sich ähnlich wie eine Grippe äußern. Viele klagen über Kopf- und Gliederschmerzen und schwere Erschöpfung und Übelkeit. Behandelt werden können nur die Symptome. Meist heilt Dengue-Fieber von alleine aus, doch gibt es auch komplizierte, sogar tödliche Verläufe.

Dass behördliche Nachlässigkeit für das Ausmaß der diesjährigen Krankheitswelle verantwortlich sein soll, haben Vertreter der Stadtverwaltung zurückgewiesen. Vielmehr sei die Zahl der registrierten Fälle so hoch, weil dank mehr Untersuchungen mehr Erkrankungen erkannt würden. Eine Dengue-Erkrankung lässt sich durch Bluttests nachweisen, zahlreiche Patienten suchen aber keinen Arzt auf oder dieser testet nicht.

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