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13.01.2011

10:20 Uhr

Tumminellis Designkritik

Warum der Styline-Mixer von Bosch enttäuscht

VonPaolo Tumminelli

Ein Besuch bei Saturn ist ein Erlebnis. Aber die Suche nach der neuen Produktreihe Styline von Bosch war eine einzige Enttäuschung. Denn erst im Regal der Technik-Discounter kann ein Produkt seinen Design-Marktwert beweisen. Styline gelingt das nicht.

Die Bosch Styline Küchenmaschine. Pressebild

Die Bosch Styline Küchenmaschine.

Samstag ist der Tag des Saturns. Auf jeden Fall steht ein Besuch im Konsumtempel bei mir samstags immer auf der Agenda. Das "Geil-ist-geil"-Versprechen zieht an, und es ist immer was los. Hier sieht, hier fühlt man, was Menschen wirklich bewegt. Eine Abteilung "Espresso-Maschinen" existierte vor zehn Jahren kaum, in der Kaffeeflut formten sich plötzlich Flusswege und Inseln: Nicht mal in ganz Italien fand man mehr Geräte als im deutschen Untergeschoss. Allmählich geht die Flut zurück, damit die Abteilung "Körperpflege" wie ein Vesuv aus der einstigen Ecke hinausbrechen kann. Noch unklar ist, was nach dieser Eruption von Rasierern, Hautschonern und Muskeltrainern kommen wird.

Wer nichts einzukaufen hat, genießt eine Schau, die zum Pflichterlebnis für Produktmacher, Kulturforscher und Politiker erklärt werden soll. Denn bei Saturn lernt man, Produkte zu verstehen. So wie sich nämlich Automobile, das postulierte schon der General-Motors-Designer Harley Earl, nicht im Showroom, sondern auf der Straße "von selbst" verkaufen, so verkaufen sich all unsere kleinen Alltagsverschönerer nicht im Prospekt, sondern live bei Saturn. Samstags. Unterwegs auf der Suche nach Styline, der neuesten Küchenhelfer-Kollektion von Bosch. Im Prospekt glänzen die Geräte geradlinig matt.

Ich darf die Rückkehr eines klaren, fast möchte ich sagen: deutschen Designs bewundern. Obwohl - der Name stinkt nach amerikanischen Illusionen der Nachkriegsära, stand er ja für den 1949er Ford zur Wahl. Heute ist der American Dream definitiv vorbei; wenn ein deutsches Erzeugnis eine Chance sucht, dann ruhig mit durch und durch teutonischer Marke. In Gedanken verloren lasse ich mich führen: von Styline weit und breit keine Spur. Obwohl ich genau weiß, was ich sehen will, sehe ich nichts. Vom einheitlichen Styline-Werbebild keine Spur. Im Regal weit voneinander ausgestellt, fallen die einzelnen Familienmitglieder nicht ins Auge. Das ist, wohl bemerkt, keine Gestaltungsschwäche. Selbst ein Mac würde sich, Seite an Seite mit Wettbewerbern ausgestellt, nicht sonderlich abheben. (Herzlich willkommen, wer hier ein Kompliment zum Design von Styline hören will.) Aber hier kommen unnötige Störungen. Wieso auch immer gibt es Styline in Weiß-Silber, Weiß-Anthrazit oder gar in Schwarz, ohne dass dies eine Wertung impliziert? Neben dem Wettbewerb gestellt sieht Styline daher mal wie Philips, mal wie Petra und mal wie etwas anderes aus. Bosch kann gut im Prospekt mit der besonderen Leistung von Styline argumentieren, aber wer kann schon im Regal erleben, wie der speziell geformte Mixer "mehr Sahne bei gleich vielen Kalorien" produziert oder wie der Kocher mit "Teaperfect" das Wasser zu beliebigen Temperaturen aufheizen kann? Beides ist nirgendwo zu lesen.

Andere Artikel von Bosch sind dafür fast zu präsent. Das Wort Styline findet man letztendlich gestapelt in Fußbodenhöhe: auf der Packung. Eine Marke, die nur auf Papier lebt, lebt nicht. Ich habe Styline nicht verstanden und befürchte, der Kunde wird die Marke ebenfalls nicht verstehen. Den gnadenlosen Saturn-Test hat Bosch nicht bestanden.

Kommentare (2)

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Max

13.01.2011, 23:31 Uhr

Das ist schon keine Schleichwerbung mehr, sondern unverhohlene PR für den Saftladen Saturn - im Mäntelchen eines Produkttests.
Wie wird das Saturngeld eigentlich zwischen Autor und Verlag aufgeteilt? Gibt es da feste Quoten? Fertigen Sie doch darüber einmal einen bericht!
Dank im voraus
Max

Der Mixer von BOSCH enttäuscht ...

14.01.2011, 06:08 Uhr

weil vor allem "alte konservative Verarbeitungswerte" in die Tonne wanderten. Massenware einfach und viel Kunststoff ist die Devise - das besondere kam so unter die Räder. KENWOOD greift ganz bewußt diese Lücke auf und kommt mit einem viel höheren Wertigkeitsanspruch. Aber auch relativ neue Marken wie GASTRObACK stellen bewußt hohe Gehäusequalitäten in den Vordergrund. bOSCH vernachlässigt ganz bewußt diese Märkte; m.E. ein Managementfehler.

Alte mehr konservativere Linien in der Gerätehaptik zu pflegen ist ja nichts "Antiquiertes", sondern zeigt langlebigere Gebrauchswerte mit hoher Ergonomiefreundlichkeit auf. bOSCH verläßt sich zu sehr einfach auf seinen Namen und vernachlässigt so andere Werte. Also ... besser machen.

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