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27.01.2005

15:50 Uhr

Forschung + Medizin

Turiner Grabtuch doch keine Fälschung?

Kein Ende der Spekulationen: Das weltberühmte Turiner Grabtuch, das der Überlieferung zufolge den Gesichts- und Körperabdruck von Jesus zeigt, ist möglicherweise doch älter als bisher angenommen. Der US-Forscher Raymond N.

Turiner Grabtuch

Das im Dom von Turin aufbewahrte Tuch aus Leinen zeigt Blutspuren und den Abdruck eines menschlichen Körpers

dpa ROM. Kein Ende der Spekulationen: Das weltberühmte Turiner Grabtuch, das der Überlieferung zufolge den Gesichts- und Körperabdruck von Jesus zeigt, ist möglicherweise doch älter als bisher angenommen. Der US-Forscher Raymond N. Rogers schätzt das Gewebe nach neuesten Analysen auf ein Alter von 1 300 bis 3 000 Jahren.

Damit weise er Studien aus den 80er Jahren zurück, die von einer Fälschung aus dem Mittelalter sprechen, berichtet der britische Sender BBC.

Bei so genannten Radiokarbon-Analysen im Jahr 1988 sei nicht das ursprüngliche Gewebe analysiert worden, glaubt Rogers von der Universität von Kalifornien in Los Alamos. Untersucht worden seien damals stattdessen Flicken, mit denen das Grabtuch im Mittelalter nach Brandschäden ausgebessert worden sei. Daher hätten die Forscher seinerzeit die Entstehung auf das Jahr 1 260 bis 1 390 datiert.

Dagegen habe Rogers das ursprüngliche Gewebe untersucht. Dabei habe er einen wesentlichen geringeren Anteil von Vanillin ermittelt als bei den Stoffproben, die 1988 analysiert worden seien. Vanillin entsteht beim Zersetzen des Holzstoffes Lignin. „Die Bestimmung des Vanillin-Verlustes deutet auf ein Alter des Gewebes von 1 300 bis 3 000 Jahren hin“, schreibt Rogers laut BBC.

Das Grabtuch war erst vor drei Jahren restauriert worden. Dabei entfernten Experten etwa 30 Flicken, die Nonnen 1 532 nach einem Brand über angeschwärzte Stellen genäht hatten. Der Streit über das Alter des 4,37 Meter langen und 1,11 Meter breiten Grabtuches dauert seit Jahrzehnten an. Die Studie von Roger unterstützt ältere mikrobiologische Studien: Israelische Forscher hatten bei Untersuchungen des Tuches Pollen und Pflanzenabdrücke gefunden, die es um diese Zeit ausschließlich im Nahen Osten gegeben habe.

Die Originalstudie von Rogers ist im Journal „Thermochimica Acta“ (Bd. 425, S. 189) veröffentlicht.

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