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09.09.2014

13:53 Uhr

Umstrittener Plan

Mit Soldaten gegen Ebola

Die Ebola-Epidemie in Westafrika lässt sich nicht eindämmen, Experten rechnen mit bis zu 20.000 Toten. US-Präsident Obama will jetzt das Militär schicken – eine Ankündigung, die nicht überall auf Gegenliebe stößt.

Wie hier in Liberias Hauptstadt Monrovia werden einheimische Soldaten in den Ebola-Gebieten eingesetzt, um Panik und Plünderungen zu verhindern. Jetzt wollen die USA eigenes Militärpersonal schicken. AFP

Wie hier in Liberias Hauptstadt Monrovia werden einheimische Soldaten in den Ebola-Gebieten eingesetzt, um Panik und Plünderungen zu verhindern. Jetzt wollen die USA eigenes Militärpersonal schicken.

BerlinJe verzweifelter die Lage in den von Ebola betroffenen Gebieten ist, desto erbitterter wird über die richtige Strategie zur Bekämpfung der Epidemie gestritten. Einig sind sich die Experten derzeit nur in einem Punkt: Die internationale Unterstützung für Guinea, Liberia und Sierra Leone war zu gering und sie kam zu spät.

„Wir hätten das aufhalten können“, stellt das Magazin „Foreign Policy“ fest. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe es jedoch an Kapazitäten und Geld gefehlt, um bereits in den ersten Monaten der Krise richtig reagieren zu können. Viele Regierungen hätten das Problem zudem in den ersten Monaten unterschätzt, weshalb die Infektionsraten zuletzt stark in die Höhe geschnellt seien.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Rund 2100 Todesfälle hat die WHO bereits registriert. Konservative Schätzungen halten bis zum Ende der Epidemie mehr als 20.000 Tote für möglich.

US-Präsident Barack Obama schätzt die Lage jetzt – mehr als neun Monate nach dem vermutlich ersten Ebola-Fall – zumindest ernst genug ein, um das Militär zu involvieren. Die US-Armee soll schnell in Gang gesetzt werden.

Das militärische Personal soll helfen, in Westafrika Quarantäne-Stationen aufzubauen und internationale Helfer zu schützen. Denn der US-Präsident befürchtet, dass das tödliche Virus sonst mutieren und sich auch in anderen Teilen der Welt ausbreiten könnte.

Doch längst nicht bei allen Experten stößt die Ankündigung aus Washington auf Gegenliebe. Maximilian Gertler von der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ hält den Einsatz von Soldaten bei der Bekämpfung der Ebola für kontraproduktiv. Im ARD-„Morgenmagazin“ begrüßte der Mediziner am Dienstag zwar prinzipiell die geplante Errichtung weiterer Isolierstationen, betonte aber zugleich, dass er für militärischen Schutz keine Notwendigkeit sehe.

„Gesundheitseinrichtungen militärisch zu schützen, da sehen wir überhaupt keinen Bedarf“, so Gertler. Es sei zu befürchten, dass dies Ängste in der Bevölkerung schüren könnte. „Das muss man dringend verhindern.“

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