Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2008

11:30 Uhr

Umwelt

Regenwaldzerstörung in Brasilien immer dramatischer

Die Zerstörung des brasilianischen Amazonas- Regenwaldes hat nach einer über zweijährigen „Verschnaufpause“ in den vergangenen Monaten wieder dramatisch zugenommen.

Abgeholzter Wald dpa

Goldsucher im brasilianischen Regenwald. (Archivbild)

dpa BRASILIA. Die Zerstörung des brasilianischen Amazonas- Regenwaldes hat nach einer über zweijährigen „Verschnaufpause“ in den vergangenen Monaten wieder dramatisch zugenommen.

Wie die Regierung am Mittwochabend (Ortszeit) in Brasilia bekanntgab, wuchs die monatliche Zerstörungsrate von 234 Quadratkilometern im August 2007 auf 948 Quadratkilometer im vergangenen Dezember. Die in nur einem Monat vernichtete Fläche der „grünen Lunge der Erde“ ist damit größer als Hamburg. Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva rief sechs seiner wichtigsten Minister sowie den Chef der Bundespolizei am Donnerstag zu einer Krisensitzung in Brasilia zusammen.

„Nie zuvor hatten wir zu dieser Jahreszeit solch eine große Zerstörungsrate festgestellt“, sagte Gilberto Camara, Leiter des für die offiziellen Messungen zuständigen „Nationalen Instituts für Weltraumforschungen“ (Inpe), dessen Satellitenbilder das Ausmaß der Zerstörung zeigen. Das „Dezember-Vernichtungsniveau“ von 2007 sei zum Beispiel vier Mal so groß wie jenes von 2004, sagte er.

Von „extrem besorgniserregenden Zahlen“ sprach der Exekutivsekretär im Umweltministerium, José Capobianco. Allein zwischen August und Dezember 2007 seien 3 235 Quadratkilometer Urwald abgeholzt worden. Das sei aber lediglich eine vorläufige Zahl, die sich noch ohne weiteres verdoppeln könne, da man die Satellitenbilder mit Hochauflösung noch genauer analysieren müsse.

Erst vor wenigen Monaten hatte die Regierung von Lula den Rückgang der Regenwaldzerstörung um 50 Prozent zwischen Juli 2005 und Juli 2007 gefeiert. Dieser Erfolg wurde auf schärfere Kontrollen zurückgeführt. Umweltministerin Marina Silva versicherte, man werde mit Lula und anderen Ministern weitere Maßnahmen zum Schutz des Urwalds erörtern. „Wir werden nicht tatenlos zuschauen“, versicherte sie.

Seit 1970 verlor der Amazonas-Urwald bereits knapp 700 000 Quadratkilometer. Das entspricht nahezu der zweifachen Ausdehnung Deutschlands. Das größte Urwaldgebiet der Erde im Tiefland des Amazonas umfasst heute noch rund sechs Mill. Quadratkilometer. Der Wald gilt als einer der artenreichsten Lebensräume der Erde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×