Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2005

12:15 Uhr

Forschung + Medizin

UN-Aidsinitiative „3 by 5“ im Zeitplan - Pillen für 700 000 Menschen

Bis Ende 2004 haben rund 700 000 Aidskranke in armen Ländern durch Spenden Aidsmedikamente erhalten. Nach einer „dramatischen“ Aufholjagd liegt die globale Aidsinitiative „3 by 5“ damit wieder im Zeitplan.

UN-Aidsinitiative '3 by 5'

Thembi Ngeti, Südafrikanerin, 26 Jahre alt, HIV-positiv. Fast sechs Mill. Aidskranke leben in armen Ländern, drei Viertel von ihnen in Afrika.

dpa DAVOS/GENF. Bis Ende 2004 haben rund 700 000 Aidskranke in armen Ländern durch Spenden Aidsmedikamente erhalten. Nach einer „dramatischen“ Aufholjagd liegt die globale Aidsinitiative „3 by 5“ damit wieder im Zeitplan.

Für ihr Ziel, dass bis Ende 2005 insgesamt drei Millionen Menschen im Rahmen verschiedener Programme mit Aids-Medikamenten behandelt werden, sind in diesem Jahr aber weitere zwei Mrd. Dollar (rund 1,5 Mrd. Euro) nötig. Das erklärten die Vereinten Nationen am Mittwoch am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Im Laufe dieses Jahres müssen demnach 2,3 Mill. Patienten mit der Behandlung beginnen, betonten die Weltgesundheitsorganisation WHO und das UN-Aidsbekämpfungsprogramm Unaids in ihrem Zwischenbericht. Dies sei die schwierigste Aufgabe, die das globale Gesundheitssystem je gehabt habe. Dafür müssten Regierungen und andere Spender in diesem Jahr mehr Geld zur Verfügung stellen. Das anspruchsvolle Ziel könne nur erreicht werden, wenn in den am schlimmsten betroffenen Ländern „erhebliche Fortschritte“ gemacht würden, betonten die Chefs von Unaids und WHO, Peter Piot und Jong Wook Lee.

Den Angaben zufolge sind die zurzeit versorgten 700 000 Patienten erst etwa zwölf Prozent der weltweit insgesamt 5,8 Mill. Bedürftigen. Von den verbleibenden 5,1 Mill. leben 72 Prozent in Afrika südlich der Sahara und 22 Prozent in Asien.

Die „3 by 5“-Initiative wurde am 1. Dezember 2003 proklamiert, dem jährlich wiederkehrenden Weltaidstag. Bei der Vorlage des ersten Reportes vor gut sechs Monaten hatten Unaids und WHO noch von einem erheblichen Rückstand berichtet: Wegen Geldmangels waren bis Juni 2004 lediglich rund 440 000 statt der angestrebten 500 000 Menschen in ärmeren Ländern in Behandlung.

Der medizinische Erfolg sei nach den bislang vorliegenden Ergebnissen in den einbezogenen Entwicklungs- und Schwellenländern mindestens ebenso gut wie in den reichen Industrieländern, wenn nicht besser, heißt es in dem Bericht. Die Medikamente würden in 90 Prozent der Fälle bestimmungsgemäß eingenommen, die Überlebensrate nach einem Jahr läge bei 90, nach zwei Jahren bei 80 Prozent. Nach wie vor seien Kinder benachteiligt, weil es keine auf sie abgestimmten Medikamente gibt.

Um die Ziele von „3 by 5“ in den 49 besonders schlimm betroffenen Ländern zu erreichen, sei 2005 mit Kosten von 3,55 Mrd. bis 3,8 Mrd. Dollar (2,7 bis 2,9 Mrd. Euro) zu rechnen. Bislang hätten der Globale Aidsfonds, Regierungen, das Pepfar-Programm der USA, die Weltbank und andere Geber zugesagt, insgesamt 1,55 Mrd. Dollar (1,18 Mrd. Euro) für die Aidstherapie auszugeben. „Dies lässt eine Lücke von zwei Mrd. Dollar“, erklärten die UN. Diese könne jedoch kleiner werden, wenn die Preise für Medikamente gesenkt würden.

„Dass bis heute nur 700 000 Menschen mit den lebensverlängernden Medikamenten behandelt werden, ist ein deutlicher Hilferuf an die Akteure des Weltwirtschaftsforums“, sagte Jürgen Hammelehle, Sprecher des deutschen Aktionsbündnisses gegen Aids.

Die US-Gesundheitsbehörde FDA prüfte unterdessen Aidsmedikamente, die zu einem Drittel des landesüblichen Preises in Südafrika hergestellt werden, und befand sie für gut. Mit ihrer Genehmigung gab die FDA auch den Weg für Finanzen frei, die Washington 2003 im Rahmen seines Pepfar-Programms zur Aids-Bekämpfung in 13 afrikanischen Ländern sowie Haiti, Guayana und Vietnam bis zum Jahr 2008 bereits eingeplant hatte.

2004 hat sich das Aidsvirus so schnell verbreitet wie nie zuvor. Weltweit infizierten sich laut Unaids 4,9 Millionen Menschen neu, etwa 100 000 mehr als 2003. Auch die Zahl der Aidstoten erreichte mit 3,1 Mill. ein neues Rekordhoch. Weltweit leben derzeit fast 40 Millionen Menschen mit dem Erreger der unheilbaren Immunschwäche.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×