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15.02.2011

10:06 Uhr

Unerwünschte Verfärbung:

Forscher wollen Van-Gogh-Gelb retten

Das berühmte Sonnenblumengelb van Goghs wird im Laufe der Jahrzehnte immer mehr zu einem unansehnlichen Braun. Wissenschaftler eines internationalen Forschungsteams haben die chemischen Hintergründe der Verfärbung jetzt genauer analysiert - und hoffen, den ursprünglichen Farbton retten zu können.

Viele Meisterwerke van Goghs (hier "Der Schnitter" aus dem Jahr 1889) sind von der unerwünschten Verfärbung betroffen. Quelle: dpa

Viele Meisterwerke van Goghs (hier "Der Schnitter" aus dem Jahr 1889) sind von der unerwünschten Verfärbung betroffen.

HamburgEine bislang unbekannte chemische Reaktion lässt Gemälde des Niederländers Vincent van Gogh braun werden. Das hat ein internationales Forscherteam jetzt herausgefunden. Die komplexe chemische Umwandlung lässt das leuchtend gelbe Chrom langsam unter einer bräunlichen Schicht verschwinden.

Dass sich einige Farbtöne wie das Chromgelb impressionistischer Meisterwerke verfärben, wird bereits seit dem 19. Jahrhundert beobachtet. Wie dramatisch die Veränderung fortschreitet, ist aber unterschiedlich und hängt wohl vor allem von den Farbmischgewohnheiten der Künstler ab, berichten Letizia Monico von der Universität im italienischen Perugia und ihre Kollegen.

Besonders betroffen vom Nachdunkeln ist die Farbe Chromgelb, die der niederländische Künstler van Gogh (1853-1890) in vielen seiner Bildern eingesetzt hat - etwa in den berühmten Sonnenblumen-Bildern. Um das Rätsel der Verfärbung zu lösen, ließen die Wissenschaftler Ölfarbe aus dem 19. Jahrhundert rund 500 Stunden lang unter UV-Licht künstlich altern.

Bei Röntgenanalysen am Deutschen Elektronen-Synchrotron Desy in Hamburg und an der Europäischen Synchrotronstrahlungsquelle ESRF in Grenoble entdeckten die Forscher schließlich eine zuvor unbekannte Reaktion des Chroms mit dem UV-Licht: Offenbar reduziert die Bestrahlung in den oberen Schichten des Farbauftrags die Chromatome des Gelbs - und aus Chrom-IV- werden Chrom-III-Verbindungen.

Der gleiche Reduktionsprozess läuft auch auf der Leinwand von Van-Gogh-Bildern ab, wie die Analyse winziger Proben der Gemälde „Ansicht von Arles mit Schwertlilien“ und „Seineufer“ zeigten. „Diese innovativen Untersuchungsmethoden sind für uns überaus wichtig zum Verständnis, wie Gemälde altern und in welcher Weise sie für kommende Generationen konserviert werden müssen“, sagte Ella Hendriks vom Van-Gogh-Museum in Amsterdam.

Die Wissenschaftler hoffen nun, die gewonnenen Erkenntnisse zur Wiederherstellung der ursprünglichen Farbtöne nutzen zu können. Laut dem Projektleiter Koen Janssens von der Universität Antwerpen sind bereits weitere Experimente geplant. „Wir möchten der Frage nachgehen, inwieweit es möglich ist, Pigmente in bereits eingetrübten Gemälden in ihren Ursprungszustand zurückzuführen.“

Van Goghs leuchtende Farbwahl hat Kunstgeschichte gemacht. Der Maler verwendete die strahlenden Farben, nachdem er aus Holland nach Frankreich gezogen war. Dort lernte er andere Maler kennen, die seine neuen Ideen über Farbwahl teilten.

Von

dpa

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