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20.10.2015

17:06 Uhr

Unfall in Fukushima

Krebs durch Atomkatastrophe erstmals bestätigt

Nach dem Atom-Unfall von Fukushima und seinem Einsatz an beschädigten Reaktoren erkrankte ein Mann an Leukämie. Nun wurde ihm Schadenersatz bewilligt. Fast 45.000 Arbeiter haben seit dem Unglück an der Anlage gearbeitet.

Ein Kind in der Stadt Koriyama nahe Fukushima wird auf Strahlungsbelastung getestet. ap

Nach der Atomkatastrophe

Ein Kind in der Stadt Koriyama nahe Fukushima wird auf Strahlungsbelastung getestet.

TokioZum ersten Mal ist in Japan eine Krebserkrankung bestätigt worden, die durch die Strahlenbelastung nach der Atomkatastrophe von Fukushima vor viereinhalb Jahren ausgelöst wurde. Die Regierung habe dem Mann, der nach dem Unfall auf der Anlage gearbeitet habe, Schadenersatz für die durch Strahlung ausgelöste Leukämie bewilligt, teilte das Gesundheits- und Arbeitsministerium am Dienstag mit.

Der zwischen 40 und 50 Jahre alte Mann habe dabei geholfen, Abdeckungen an beschädigten Reaktoren der Anlage von Oktober 2012 bis Dezember 2013 zu installieren, teilte das Ministerium mit. Er habe aber nicht direkt nach dem Erdbeben und dem Tsunami dort gearbeitet, als die Strahlenbelastung am höchsten gewesen sei.

Zwar habe der Mann vor dem Einsatz in Fukushima in verschiedenen anderen Atomkraftwerken gearbeitet. Medizinexperten hätten nicht feststellen können, ob die Belastung in Fukushima nun direkt die Krankheit ausgelöst habe. Allerdings sei seine gesamte Belastung von 19,8 Millisievert hauptsächlich auf den Einsatz in Fukushima zurückzuführen, hieß es.

Formen der Krebs-Therapie

Operation

Bei einer Operation wird der Tumor entfernt, häufig auch die umliegenden Lymphknoten um eine Streuung zu vermeiden. Eine Operation allein reicht meist nicht aus.

Quelle: Bayerische Krebsgesellschaft

Chemotherapie

Dabei kommen bestimmte Medikamente, sogenannte Zytostatika, zum Einsatz. Sie können bösartige Tumoren zerstören oder zumindest ein weiteres Wachstum verhindern. Die Medikamente greifen in den Zell-Stoffwechsel ein. Weil sie aber nicht zwischen gesunden Zellen und Tumorgewebe unterscheiden können, kommt es zu Nebenwirkungen, etwa Haarausfall, Erbrechen, Immunschwäche. Weil sich das Normalgewebe aber schneller regeneriert, wirkt die Chemotherapie auf Krebszellen stärker.

Strahlentherapie

Der Tumor wird vor, nach oder anstelle einer Entfernung mit energiereicher Strahlung beschossen. Die Bestrahlung kommt nur lokal zum Einsatz und kann das Wachstum des Tumors bremsen, indem die Tumorzellen zerstört werden.

Molekularbiologische Therapie

Es handelt sich um einen jungen Therapieansatz, auch "targeted therapy" (zielgerichtete Therapie) genannt. Hierunter fällt die in der US-Studie erforschte Blockierung des Ral-Proteins. Spezifische Wirkstoffe sollen zielgenau die Krebszellen angreifen.

Hormontherapie

Hierbei werden Antihormone gegeben. Sie können vor allem Tumoren der Geschlechtsorgane und Brustkrebs im Wachstum stoppen oder verlangsamen.

Hyperthermie

Hierunter versteht man die Überwärmung des Körpers oder einzelner Körperteile. Dies kommt beispielsweise ergänzend zu einer Strahlentherapie zum Einsatz, und kann ihre Wirkung verstärken.

13 weiteren Arbeitern in der japanischen Atomindustrie wurden seit den 1970er Jahren von der Regierung Entschädigungen wegen Krebs und anderen Krankheiten zugestanden, die sie in Zusammenhang mit ihrer Strahlenbelastung während ihrer Arbeit erlitten hatten. Seit dem Fukushima-Unglück wurden zehn Entschädigungsfälle eingereicht. Sieben wurden zurückgewiesen, drei werden noch untersucht. Seit dem Unglück hatten fast 45.000 Arbeiter auf der Anlage gearbeitet.

Von

ap

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