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18.01.2011

08:35 Uhr

US-Drohnenangriff

Tödliche Informationsüberflutung

VonWerner Pluta
Quelle:Golem.de

Weil sie zu viele Informationen zur Verfügung hatte, fällte eine US-Drohnenbesatzung im vergangenen Jahr eine schwere Fehlentscheidung. Sie kostete 23 afghanische Zivilisten das Leben. Eine neue Studie zeigt: Die antraintierte Multitasking-Fähigkeit jüngerer Menschen ist dabei sogar hinderlich.

US-Predator-Drohne im Grenzgebiet zu Afghanistan. Zu viele Informationen führen zu Fehlentscheidungen. dpa

US-Predator-Drohne im Grenzgebiet zu Afghanistan. Zu viele Informationen führen zu Fehlentscheidungen.

BERLIN. Überwachung, Aufklärung, Kommunikation - das moderne Militär sammelt Unmengen von Daten, um sich in Echtzeit ein möglichst genaues Bild von der Situation auf dem Schlachtfeld machen zu können. Denn wer einen vollständigen Überblick hat, kann seine Aktionen entsprechend planen. Allerdings überfordern die Datenmengen häufig diejenigen, denen sie eigentlich mehr Klarheit bringen sollen. Das kann sogar tödlich ausgehen.

Gruppe von Zivilisten

Das US-Militär untersucht gerade einen solchen Fall, der im Februar 2010 23 Menschen das Leben gekostet hat, wie die New York Times berichtet: Schauplatz war ein Dorf in Afghanistan. Dort formierte sich, beobachtet von einer Drohne vom Typ Predator, eine Gruppe von Einheimischen, darunter auch Kinder, während sich in der Nähe US-Soldaten aufhielten.

Bedient wurde die Drohne von einen Team auf einem Luftwaffenstützpunkt im US-Bundesstaat Nevada. Es entspann sich eine rege Kommunikation zwischen den Soldaten in Afghanistan, der militärischen Aufklärung und den Piloten der Drohne. Letztere standen immer mehr unter Druck, mussten per Funk und Instant Messenger kommunizieren und gleichzeitig auf die Livebilder der Drohne achten.

Fehlentscheidung unter Druck

Dadurch gerieten sie derart unter Druck, dass sie am Ende eine fatale Fehlentscheidung trafen: Sie übersahen die Kinder in der Gruppe und entschieden, dass diese Gruppe eine Bedrohung für die Soldaten darstellte. Daraufhin griffen US-Kampfhubschrauber das Dorf an. Dem Angriff fielen 23 Zivilisten zum Opfer.

Daten beherrschen den Krieg im 21. Jahrhundert: Niemals hatte das Militär so viele Daten wie heute, um Einsätze durchzuführen: Durch die Einführung von Drohnen und weiterer Überwachungstechnik sei im vergangene Jahrzehnt die Menge der zur Verfügung stehenden Informationen um 1.600 Prozent gestiegen, berichtet die Zeitung.

Kommentare (1)

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Was für ein Zynismus!

18.01.2011, 15:49 Uhr

Zitat: "Die moderne Technik biete so viele Vorteile, dass die Armee sich nicht scheuen sollte, die Daten zu nutzen und den Datenstrom zu verbessern. Sonst wäre das, "als sagte man, wir sollten auf Autos verzichten, weil es 40.000 Verkehrstote im Jahr gibt.""

Was für ein Zynismus, wenn man von Waffensystemen spricht, die explizit zum Töten entwickelt wurden. Dieser Michael barnes ist für mich nur ein weiteres großes A*****och und offener Unterstützer der Kriegstreiberei dieses Landes.

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