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26.01.2009

10:43 Uhr

US-Raumfahrt

Obama lässt die Nasa zappeln

Noch hat der neue US-Präsident Barack Obama nicht erklärt, wie er sich die Zukunft der US-Raumfahrt vorstellt. Führungslos und ohne klare Perspektive treibt die Nasa derzeit dahin. Doch Obamas Entscheidungen haben nicht nur für die US-Weltraumbehörde Konsequenzen – auch die europäische Raumfahrt könnte betroffen sein.

Wird der neue US-Präsident weiterhin auf bemannte Missionen setzen? Noch sind die Weichen nicht gestellt. Foto: ap ap

Wird der neue US-Präsident weiterhin auf bemannte Missionen setzen? Noch sind die Weichen nicht gestellt. Foto: ap

HB WASHINGTON. Von der Aufbruchstimmung, die der neue US-Präsident Barack Obama allerorten zu verbreiten scheint, ist bei der Nasa derzeit nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: Statt eitel Sonnenschein herrscht derzeit das große Rätselraten bei der US-Weltraumbehörde. Ihr Chef Michael Griffin hat bereits den Hut genommen, führungslos treibt die Behörde dahin. Die große Frage, die derzeit niemand so recht beantworten kann, lautet: Wie hält es Obama mit der Raumfahrt?

Als Nachfolger Griffins ist unter anderem der Ex-Kampfpilot Jonathan Scott Gration im Gespräch – ein Mann, der teilweise im afrikanischen Kongo aufwuchs und Obama schon im Wahlkampf als Berater in Militärfragen zur Seite stand. Aber in Sachen Raumfahrt sei er unbeleckt, heißt es in der Nasa mit kritischem Unterton. „Gration wäre der erste Nasa-Chef, der Kisuaheli spricht“, witzelte die „Washington Post“.

Ausgerechnet in den nächsten Monaten stehen bei der Nasa strategische Schlüsselfragen zur Entscheidung an. Die wichtigste: Wird Obama die bisherige Weichenstellung beibehalten und im nächsten Jahr die betagten Shuttles einmotten? Und, wichtiger noch, vor allem für Deutsche und Europäer: Was wird aus der Internationalen Raumfahrtstation ISS? Die Regierung von Präsident George W. Bush hatte recht unverhohlen signalisiert, dass sie kein längerfristiges Interesse an der ISS hat. Stattdessen sollten die Astronauten zum Mond und zum Mars - jetzt steht die „Bush-Doktrin“ auf dem Prüfstand.

Dagegen scheint im Obama-Lager Skepsis gegenüber dem Abenteuer bemannter Mond- und Mars-Missionen zu herrschen. Zu teuer, zu riskant – außerdem könnten Roboter die Arbeit viel besser tun, lauten die Argumente. So herrsche im Obama-Lager die Tendenz vor, die Entwicklung der neuen „Ares“-Rakete, des Herzstücks der ehrgeizigen Mars- und Mondpläne, auf Eis zu legen, schreibt die „Washington Post“.

Ein Schritt, der auch für die europäische Raumfahrt folgen haben könnte. Zwar hat die europäische Raumfahrtbehörde Esa mit dem „Aurora“-Programm ein eigenes Projekt zur bemannten Erkundung des Erdtrabanten aufgelegt. Doch nach derzeitigem Stand wäre der erste „Aurora“-Astronaut frühestens 2024 auf dem Mond, womit Europa gegenüber den bisherigen Nasa-Plänen um mindestens vier Jahre hinterherhinken würde. Solche Zahlen und die gewaltigen Kosten einer bemannten Mondmission haben zu Überlegungen geführt, Europäer und Amerikaner könnten das Projekt Mondmission gemeinsam schultern – Gedankenspiele, die mit einer Neuausrichtung der Nasa hinfällig wären.

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