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29.10.2014

04:45 Uhr

US-Raumfrachter „Cygnus“

Nasa-Trägerrakete explodiert beim Start

Feuerball kurz nach dem Abheben: Die Explosion beim Start des Weltraumfrachters „Cygnus“ ist ein schwerer Schlag für die US-Raumfahrt. Dabei galt das Outsourcing an Private als Wunderwaffe. Und nun?

Gigantischer Feuerball

Raumtransporter explodiert beim Start

Gigantischer Feuerball: Raumtransporter explodiert beim Start

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WashingtonÜber den Weltraumbahnhof auf der Wallops-Island an der amerikanischen Atlantikküste legte sich bereits die Dunkelheit. Nachtstarts bringen den Anhängern der Weltraumforschung stets einen ganz besonderen Kick. Auch diesmal hob sich die Antares-Rakete mit einem riesigen, hellgelben Feuerschweif gegen Himmel - ein gewaltiger Anblick. Doch dann verwandelte sich der Feuerschweif an diesem Dienstagabend urplötzlich in einen riesigen Feuerball, der alles verschlang.

Irgendetwas war fürchterlich schiefgelaufen - mit der Explosion der Rakete und dem Verlust des Raumfrachters „Cygnus“ erlebt die US-Raumfracht ihren schwersten Rückschlag seit vielen Jahren.

Schockiert und beinahe sprachlos reagierte die US-Weltraumbehörde Nasa. Selbst auf Twitter herrschte minutenlang Schweigen. „Der Unfall ereignete sich kurz nach dem Abheben“, hieß es kryptisch. Später hieß es, es sei sechs Sekunden nach dem Start gewesen.

Lebensmittel, Vorräte und wissenschaftliches Material für ISS

Die Ursachen der Explosion sind nach Angaben der Nasa noch völlig unklar. Ganz offensichtlich seien die Triebstofftanks der Rakete explodiert. Der von der privaten Firma Orbital Sciences entwickelte Frachter „Cygnus“ hätte rund 2300 Kilogramm Lebensmittel, Vorräte und wissenschaftliches Material zur ISS bringen sollen. Seit 2013 gab es drei erfolgreiche Flüge.

Raumfahrt-Katastrophen

22. März 1961

Kurz vor dem ersten russischen Raumflug kommt der Kosmonaut Walentin Bondarenko beim Training in einer Isolationskammer des Moskauer Instituts für Raumfahrtmedizin ums Leben. Ein mit Alkohol getränkter Wattebausch hatte sich entzündet und die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kammer in Brand gesetzt.

27. Januar 1967

Bei einem Bodentest der US-Raumkapsel Apollo 1 am Raketenstartplatz Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) verbrennen drei amerikanische Astronauten. Ein Funke hatte die Kapsel in Brand gesetzt.

24. April 1967

Der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow zerschellt nach der Rückkehr aus dem Weltraum mit seinem Raumschiff Sojus 1 auf der Erde. Das Fallschirmsystem hatte versagt.

29. Juni 1971

Die dreiköpfige Besatzung des sowjetischen Raumschiffes Sojus 11 wird bei der Rückkehr von der Saljut-Raumstation tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Bei der Landung hatte der Druckausgleich der Kapsel versagt.

18. März 1980

Eine Wostok-2M-Rakete explodiert beim Betanken direkt auf der Startrampe des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk. 48 Menschen sterben.

28. Januar 1986

Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre Challenger und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Unglücksursache: eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

15. Februar 1996

Eine chinesische Rakete des Typs CZ-3 kommt kurz nach dem Start vom Kurs ab und stürzt in ein Dorf. Bei der Explosion sterben nach offiziellen Berichten sechs Menschen, inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 500 Toten.

1. Februar 2003

Die Raumfähre Columbia bricht während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Ursache der Katastrophe: Beim Start war ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgerissen und hatte die Hitze-Isolierung des Spaceshuttles beschädigt.

22. August 2003

Eine brasilianische Trägerrakete des Typs VLS-1 explodiert auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs Alcantara im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben.

Nach Worten des Nasa-Experten und ehemaligen Astronauten Frank Culbertson ist nach einer ersten Explosion der Befehl zur völligen Zerstörung des Fluggeräts gegeben worden. Mit einer solchen Maßnahme soll etwa verhindert werden, dass Raketenteile auf bewohntes Gebiet einschlagen.

„Wir sind sehr enttäuscht“, sagte Gerstenmaier. Das Unglück beweise erneut, „dass Raumfahrt ein harter Job ist“, der nicht ohne Gefahren sei. Man sei aber optimistisch, die Ursachen des Unglücks herauszufinden und wieder zu fliegen.

Nach Angaben der Nasa waren aber keine unbedingt notwendigen Versorgungsgüter für die ISS-Besatzung an Bord der „Cygnus“. „Die Mannschaft ist in keiner Gefahr“, sagte der Nasa-Topmanager William Gerstenmaier bei einer Pressekonferenz gut drei Stunden nach dem Unglück. Neben Gerst sind derzeit drei Russen und zwei Amerikaner an Bord der ISS. In Kürze stehen aber ein russischer Versorgungsflug sowie im Dezember ein Start des ebenfalls private US-Transporters „Dragon“ an

Raketenunglücke wecken unwillkürlich böse Erinnerungen in den USA. Zwar war diesmal niemand an Bord des Frachters, auch sonst habe es keinen Toten gegeben am Startplatz, hieß es. Doch kaum ein Raumfahrt-Fan kommt umhin, an die Explosion des Shuttle „Challenger“ 1986 zurückzudenken. Damals kamen alle sieben Astronauten vor den Augen von Millionen Amerikanern ums Leben. Auch diesmal zeigten US-Fernsehsender Amateur-Videoaufnahmen - auf denen die Zuschauer beim Anblick der Katastrophe laut aufstöhnten.

Kommentare (5)

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Herr Fred Meisenkaiser

29.10.2014, 07:00 Uhr

"Outsourcing an Private als Wunderwaffe"

Es ist ja ganz offensichtlich auch eine.
In anderen Branchen vielleicht nicht so spektakulär wie hier, aber mit ähnlich vernichtendem Erfolg!

Herr Jens Müller

29.10.2014, 08:42 Uhr

Unfälle passieren.
Da kann ich genauso argumentieren, dass dank Outsourcing wenigstens keine Toten zu beklagen waren, wie bei der Challenger, die bemannt geflogen ist.
Aber Dummheit und Staatshörigkeit sterben nicht aus. Deshalb verarmen Gesellschaften und gehen unter.

Herr Peter MAyer

29.10.2014, 10:23 Uhr

Schnell billig Schrott. Die Rakete ist doch nicht das erste Amerikanische Produkt, dass erst nach einem Update funktioniert. Qualität ist teuer und für Qualität stehen Amerikanische Produkte wirklich nicht. Ich möchte nicht den E-Mail-Verkehr lesen, in dem die Ingineur zum Sparen angehalten wurden. Die Walmart-Mendalität und Technolgie-Hörigkeit herrscht im der ganzen Amerikanischen Wirtschaftsleben. Aber was kann man von einem Land verlangen, wo 95% der Bewvölkerung von den Gewinnen der Unternehmen lebt und 5% so gut wie keine Steuer zahlen und Strommasten selbst in Grossstädten noch aus Holz sind. Dieser Knall ist nur ein weiteres Beispiel wie schlecht Amerikanische produzierende Wirtschaft wirklich ist. Und so was wollte die G.W.B.-Administration zum wirtschaftlichen Weltstandard machen. Wenn es nach denen gegangen wäre, dann bräuchten unsere Auto immer noch 20l auf 100 km.

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