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07.07.2014

09:27 Uhr

Vater der historischen Sozialwissenschaft

Historiker Hans-Ulrich Wehler gestorben

Er zählte zu den einflussreichsten Historikern Deutschlands und galt als streitbarer Kopf, der auch zu aktuellen gesellschaftlichen Themen Stellung bezog: Hans-Ulrich Wehler ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

Hans-Ulrich Wehler, 1931-2014. dpa

Hans-Ulrich Wehler, 1931-2014.

BerlinHans-Ulrich Wehler, einer der wichtigsten Historiker Deutschlands, ist tot. Er sei am Samstag im Alter von 82 Jahren in Bielefeld gestorben, bestätigte Wehlers Freund und Kollege Jürgen Kocka.

Der in Freudenberg bei Siegen geborene Wehler galt als einer der Väter der „Historischen Sozialwissenschaft“. Außerhalb der Fachwelt wurde er in Westdeutschland einem breiteren Publikum mit dem „Historiker-Streit“ von 1986 bekannt. In dieser Debatte zählte er zu den profiliertesten Kritikern des Historikers Ernst Nolte, der den nationalsozialistischen Holocaust als Reaktion auf eine im Gulag-System manifest gewordene sowjetische Vernichtungsstrategie deutete.

Auch in anderen aktuellen gesellschaftlichen Debatten bezog Wehler Stellung. So verlangte er etwa mehr Integration von Einwanderern, kritisierte große Einkommensunterschiede in Deutschland und forderte einen Mindestlohn.

Wehler lehrte von 1971 bis zu seiner Emeritierung 1996 in Bielefeld. Dort baute er in den frühen 70ern die Geschichtsfakultät an der neugegründeten Universität mit auf. Wehler hatte außerdem Gastprofessuren an den US-Universitäten Harvard, Princeton und Stanford inne.

Im Jahr 2008 vollendete Wehler nach mehr als 25 Jahren sein Opus Magnum, die fünfbändige „Deutsche Gesellschaftsgeschichte“ über die Zeit von 1700 bis 1991 – ein Standardwerk der deutschen Geschichtsschreibung.

Im letzten Band geht er mit der DDR hart ins Gericht. Jener Staat sei „in jeder Hinsicht gescheitert“, und zwar von Beginn an, „mit der zentralen staatlichen Planwirtschaft und beim Umbau der Gesellschaft“.

Ein Klassiker ist zudem seine 1973 erschienene Analyse des Deutschen Kaiserreichs, die auch auf Italienisch, Japanisch, Englisch, Schwedisch und Koreanisch herauskam.

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