Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2012

09:56 Uhr

Verhalten bei Katastrophen

Frauen und Kinder zuletzt

Beim Untergang der Titanic wurde der Befehl „Frauen und Kinder zuerst“ sehr ernst genommen – nur wenige Männer gelangten in die Rettungsboote. Doch so ritterlich geht es auf See selten zu, wie Forscher ermittelten.

Der Untergang der Titanic war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich - auch im Hinblick auf die Zahl der geretteten Frauen und Kinder. dpa

Der Untergang der Titanic war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich - auch im Hinblick auf die Zahl der geretteten Frauen und Kinder.

Washington„Jeder ist sich selbst der nächste“ statt „Frauen und Kinder zuerst“ - so ließe sich das menschliche Verhalten bei Schiffskatastrophen umschreiben. Wie eine Untersuchung bei insgesamt 18 untergegangenen Schiffen zeigt, haben Frauen grundsätzlich schlechtere Überlebenschancen als Männer, Kinder gar die schlechtesten.

Auch der Grundsatz, wonach Kapitän und Besatzung das sinkende Schiff zuletzt verlassen, ist nur ein schöner Mythos, wie schwedische Forscher in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichten. Tatsächlich überleben Crewmitglieder deutlich häufiger als Passagiere.

Der Glaube an die männliche Ritterlichkeit auf See wird vor allem durch den Untergang der Titanic im Jahr 1912 gestärkt. Bei der Katastrophe starben mehr als dreimal so viele Männer wie Frauen. Einige Männer, die sich dem „Frauen und Kinder zuerst“-Befehl des Kapitäns widersetzten, sollen sogar von der Crew erschossen worden sein.

Ob das Titanic-Unglück in dieser Hinsicht eine Ausnahme oder die Regel war, ist allerdings bislang kaum untersucht worden. Nur bei einem weiteren Schiffsunglück, dem Untergang der Lusitania im Jahr 1915, wurde bisher ermittelt, ob das Geschlecht die Überlebenschancen beeinflusste.

Mikael Elinder und Oscar Erixson von der Uppsala Universität werteten nun Daten von insgesamt 18 Schiffsunglücken aus, von denen mehr als 15.000 Menschen aus 30 Nationen betroffen waren. Das Ergebnis ist eindeutig: Frauen haben bei maritimen Katastrophen nicht bessere, sondern schlechtere Überlebenschancen als Männer. Nur beim Untergang der Titanic sowie einem weiteren Untergang wurden anteilig mehr Frauen gerettet als Männer, bei elf Katastrophen war es genau anders herum.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

HansHans

31.07.2012, 10:10 Uhr

warum sollten frauen auch bevorzugt werden. das widerspricht den unionsgrundrechten, der charta der eu, der emrk und auch dem deutschen gg, also alles in ordnung

Account gelöscht!

31.07.2012, 10:33 Uhr

"Women and children first" auf der Titanic ist ein Reflex aus vergangenen Zeiten. Während der gesamten früheren Menschheitsgeschichte war das Überleben der Frauen in Gefahren und Kriegen überlebensnotwendig für die Sippe, den Stamm, das Volk, denn nur die ganze Gebärfähigkeit der Frauen sicherte bei hoher Kindersterblichkeit den Fortbestand. Frauenraub war sogar ein Kriegsgrund, um das Aussterben zu vermeiden.
In den letzten 100 Jahren seit der Titanic hat sich das Blatt völlig gewendet. Frauen verweigern sich heute dem Kinderwunsch, sogar dem biologisch notwendigen von 2.2 Geburten je Frau. Das Schutzprivileg ist damit gegenstandslos und verspielt.
Beobachten Sie mal, wieviele Männer ihrer Begleiterin noch die Tür aufhalten. Falls ja, kennen sie sich höchstens seit einer Woche. Und wenn es darum geht, in einer Gefahrensituation wie Schiffbruch rasch und zweckmäßig zu reagieren, sind Männer eben im Durchschnitt doch noch fitter. Das wird sich aber auch noch ändern.

Account gelöscht!

31.07.2012, 11:36 Uhr

Was nicht im Gestzbuch steht kann in ihrer Welt wohl nicht sein - echt traurig. Naja, gibt schon Frauen, die ruhig schwimmen dürfen ;)
Gott sei dank waren die Matrosen auf der Titanic bewaffnet, denn nur in diesen Fällen gelang "Children and Women first". Komisch, dass der Artikel darauf nicht eingeht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×