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14.04.2017

17:41 Uhr

Verkehrstunnel

So realistisch sind die neuen Pläne von Elon Musk

VonAndreas Menn
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Erst zielte Multi-Unternehmer Elon Musk mit Tesla auf die Straßen – jetzt will er darunter Verkehrstunnel graben. Aber auch hierzulande streben Städte in die Tiefe.

Elon Musk will tausende Kilometer Verkehrstunnel bauen. AP

Tesla-Gründer

Elon Musk will tausende Kilometer Verkehrstunnel bauen.

Er will mit seinen Elektroautos den Klimawandel bremsen und mit Raketen die Menschheit zum Mars bringen: Elon Musk ist kein Typ, der den Kopf in den Sand steckt. Nun aber will der Chef von Tesla und SpaceX genau das tun. Auch wenn es in diesem Fall nicht um seinen eigenen Kopf geht, sondern um einen Bohrkopf.

Seit Ende Januar klafft vor der SpaceX-Zentrale in Hawthorne bei Los Angeles ein gewaltiges Loch. Dort hat Musk eine gigantische Bohrmaschine in den Boden versenkt, ein Trumm von der Größe einer U-Bahn-Haltestelle. „Der Verkehr macht mich verrückt“, twitterte Musk im Dezember. „Werde eine Tunnelbohrmaschine bauen und einfach mit dem Graben loslegen.“

Ein Witz? Offenbar nicht: In einer Titelgeschichte in der „Bloomberg Businessweek“ – Überschrift: Elon Musk is really boring – erklärte Musk, er wolle Tunnelbauen um das Zehnfache billiger machen. Das sei zwar hart, aber niemand müsse dafür den Nobelpreis gewinnen. Sei das geschafft, dann wolle er tausende Meilen von Tunneln bauen, vielleicht im Takt von einer Meile pro Woche, um den Verkehr auf zig Ebenen tief unter die Erde zu verlagern.

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Es liegt nahe, das als Spleen eines Milliardärs abzutun. Aber Musk berät US-Präsident Donald Trump, Mitte März nahm er an einem Infrastruktur-Meeting im Weißen Haus teil. Eine Billionen Dollar will Trump in Beton verwandeln. Warum nicht auch in Tunnel, die die Straßen entlasten? Zudem ist Musk nicht allein: Auch in Deutschland, Großbritannien und China wollen Städte und Start-ups den Verkehr unter der Erde verschwinden lassen.
Transportkapseln sausen durch Röhren

Fragt man etwa Michael Zalfen, was das größte Problem in Bergisch Gladbach ist, dann hat der Vizebürgermeister eine klare Antwort: mangelnder Mut in Verkehrsfragen. Man habe sich dem Stau und dem Feinstaub ergeben. Dem will Zalfen ein Ende machen – per Bagger. „Wir verlagern den Frachtverkehr in die Röhre“, sagt er. Vor drei Jahren ist Zalfen Dietrich Stein begegnet. Stein, Professor an der Ruhr-Universität Bochum, hat ein unterirdisches Transportsystem namens CargoCap entworfen. Seit 2005 betreibt Stein in einer alten Fabrikhalle eine Modellstrecke: Computergesteuerte Kapseln, die Paletten transportieren. „Man sieht es nicht, man hört es nicht, man riecht es nicht“, sagt Stein.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Nun hat die Stadt den Ingenieur mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Die Strecke A4-Bergisch-Gladbach, hofft Stein, werde für CargoCap der Startschuss – wie damals Nürnberg-Fürth für die Schienenbahn. Lastwagen laden dann ihre Fracht an einem Verteilzentrum außerhalb der Stadt ab. Von dort rollen die Transportkapseln durch die zwei Meter breite Röhre in die City. An Haltestellen entnehmen Roboter die Paletten – bei einem Lebensmittelhersteller, einem Einkaufszentrum oder im Gewerbegebiet. 60 Millionen Euro koste die 16 Kilometer lange Strecke, schätzt Vizebürgermeister Zalfen. Der Gewinn: Zuverlässige Lieferungen, mehr Platz, weniger Verschleiß an den Straßen.

Tunnel-Träume hat auch der Verein Cargo Sous Terrain in der Schweiz, ein Bündnis von Handelskonzernen wie Coop, die eine 60 Kilometer lange Produkt-Pipeline zwischen Zürich und dem Logistik-Drehkreuz Härkingen-Niederbipp planen. Und im britischen Northhampton will das Start-up Mole Solutions in der Erde wühlen, übersetzt: Maulwurf-Lösungen. Auch mit dem Hafen von Shanghai sind die Briten im Gespräch für eine Tunnelbahn, die Container 30 Kilometer ins Inland transportiert, 36 Tonnen schwer, alle zehn Sekunden, rund um die Uhr.

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