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18.01.2005

14:35 Uhr

Verlässliche historische Vergleichszahlen fehlen

Forscher widerspricht These von immer schlimmeren Katastrophen

Der Kieler Katastrophenforscher Wolf Dombrowsky hat der These von weltweit immer schlimmeren Naturkatastrophen widersprochen. Es gebe große Schäden und viele Opfer, sagte der Leiter der Katastrophenforschungsstelle der Kieler Universität in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Wolf Dombrowsky

Der Kieler Katastrophenforscher Wolf Dombrowsky.

dpa KIEL. Allerdings fehlten verlässliche historische Vergleichszahlen. Zudem stiegen Bevölkerung, Wirtschaftsleistung oder Lebenserwartung stärker als die weltweiten Katastrophenschäden. „Die Schäden werden nicht immer höher, das ist nicht wahr.“ Die Differenzen aus den Wachstumskurven zeigten, dass die Welt sogar relativ sicherer werde.

Alle Angaben über die volkswirtschaftlichen Schäden von Erdbeben, Überschwemmungen oder Stürmen beruhen nach Dombrowskys Angaben auf den Schätzungen der Rückversicherungsgesellschaften. Das sei problematisch. „Niemand legt offen, wie geschätzt wird.“ Dombrowsky geht davon aus, dass die Schäden zu hoch angesetzt werden, um die Bedeutung von Versicherungen zu untermauern.

Ein großer Wert der modernen Klimaforschung seien neue Erdmodelle, mit denen weltweite Zusammenhänge dargestellt werden können. „Wir verfahren mit der Welt wie die Wahnsinnigen, wir drehen an allen Stellschrauben.“ Jetzt könne man erstmals abschätzen, wie die Erde darauf reagiere. Bisher sei das ein Großversuch gewesen, ohne die Zusammenhänge zu kennen.

Als positives Beispiel nannte der Forscher Japan, das auf Erdbeben, Flutwellen und Unwetter vorbildlich reagiert habe. In der 1995 durch ein Erdbeben stark zerstörten Stadt Kobe in Japan tagen seit Dienstag auf Einladung der Vereinten Nationen Experten aus aller Welt, um über den Schutz vor Naturkatastrophen zu beraten. Japan sei auch deshalb so lernfähig, weil nur ein kleiner Teil der Landesfläche nutzbar sei. „Jeder Quadratmeter Verlust beeinträchtigt die Lebenschancen“, sagte Dombrowsky.

Deutschland sei gegen drohende Naturgefahren wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Sturmfluten relativ gut gerüstet, bekäme jedoch im Notfall wahrscheinlich Probleme bei der Koordination der Hilfe. Technisches Hilfswerk, Feuerwehren und Rettungsdienste seien gut ausgerüstet, es mangele aber an einheitlicher Führung. Ein Vorteil im Vergleich zu Entwicklungsländern seien strenge Statik- und Brandschutzvorschriften beim Bau und eine funktionierende Verwaltung, die Vorschriften durchsetze. Mangelhafte Bauqualität verstärke die Folgen von Erdbeben stark, wie sich in der Türkei oder dem Irak gezeigt habe.

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