Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.12.2014

09:58 Uhr

Verschwundene Flugzeuge

Nach Abflug verschollen

VonThomas Trösch

Das Schicksal des Air-Asia-Fluges scheint geklärt. Doch oft bleiben Flugzeuge verschollen – und beschäftigen die Phantasie der Menschen. Vor allem, wenn sich Prominente an Bord befanden. Eine Spurensuche.

Flug QZ 8501

Vermisster Airbus: Liegt Maschine auf dem Meeresgrund?

Flug QZ 8501: Vermisster Airbus: Liegt Maschine auf dem Meeresgrund?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Manche Mythen verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Nicht so der Mythos vom Bermuda-Dreieck. Seine Entstehung lässt sich exakt datieren: Alles begann am 5. Dezember 1945 – dem Tag, an dem „Flight 19“ verschwand.

Fünf Avenger-Bomber mit insgesamt 14 Mann Besatzung brachen an jenem Tag von Fort Lauderdale zu einem Übungsflug Richtung Bermuda auf. In den Stunden danach empfing die Bodenkontrolle mehrere Funksprüche, die auf Probleme mit den Navigationsinstrumenten hindeuteten. Versuche, mit dem orientierungslos über dem offenen Meer fliegenden Verband Kontakt aufzunehmen, schlugen fehl – „Flight 19“ verschwand im Dreieck zwischen Bermuda, Puerto Rico und Florida, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Verschollene Flugzeuge

Ganz seltener Fall

Ein Flugzeug verschwindet - das passiert in Zeiten von Radar, Funkverkehr und anderen technischen Errungenschaften nur ganz selten. Nach einem Absturz werden Wracks meist innerhalb weniger Stunden geortet. Doch manchmal kann es auch Tage oder Wochen dauern, bis man Hinweise auf den Verbleib der Maschinen und das Schicksal der Insassen findet - etwa wenn die Flugzeuge über abgelegenen Gebieten, unwegsamem Gelände oder dem offenen Meer abgestürzt sind.

Malaysia Airlines Flug 370

Im März 2014 verschwindet Flug 370 der Malaysia Airlines auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking. Bis heute fehlt von der Maschine mit 239 Menschen an Bord jede Spur.

Air France Flug 447

Nach dem Absturz des Airbus A330 im Jahr 2009 wurden Wrackteile innerhalb weniger Tage gefunden. Doch es dauerte zwei Jahre, bis der Rumpf der Maschine auf dem Grund des Atlantik entdeckt wurde. Die Maschine war auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in einen schweren Sturm geraten und abgestürzt. Alle 228 Menschen an Bord kamen um.

Adam Air

Eine Boeing 737 der indonesischen Fluggesellschaft mit 102 Menschen an Bord stürzte am 1. Januar 2007 ab. Teile des Hecks und andere Trümmer wurden einige wenige Tage später entdeckt. Bis zur Bergung der Blackbox und des Stimmrekorders dauerte es neun Monate. Der Rumpf liegt bis heute auf dem Grund des Ozeans.

Merpati Nusantara Airlines

1995 verschwand eine Maschine der indonesischen Airline auf dem Flug zwischen zwei Inseln des Archipels. Von der Havilland Twin Otter 300 mit 14 Insassen fehlt bis heute jede Spur.

Faucett Airlines

Eine Boeing 727 der peruanischen Fluggesellschaft mit Ziel Miami in den USA stürzte im Jahr 1990 über dem Nordatlantik ab, weil ihr der Treibstoff ausging. 18 Angestellte der Airline und ihre Angehörigen waren an Bord. Das Wrack wurde nie gefunden.

Luftwaffe Uruguays

Die Geschichte der Fairchild FH-227 und ihrer Insassen war Stoff für mehrere Bücher und Filme. Die Turboprop-Maschine stürzte 1972 in den Anden ab, mehr als ein Dutzend der Insassen kamen dabei ums Leben. Einige der Überlebenden machten sich auf die Suche nach Hilfe. Die anderen wurden später gerettet. In der Zeit bis zur Bergung hatten sie sich vom Fleisch der Toten ernährt.

Flying Tiger Line

Die Propellermaschine vom Typ Lockheed L-1049H Super Constellation sollte im Jahr 1962 US-Soldaten nach Vietnam bringen. Doch schon die Zwischenstation auf den Philippinen erreichte das Flugzeug mit 107 Insassen nie. Dutzende Flugzeuge und Schiffe suchten den Westpazifik ab - vergeblich.

Ein tragischer, aber keineswegs mysteriöser Vorfall. In jenen GPS-losen Tagen bedeutete der Ausfall der Navigationsinstrumente bei Flügen über dem offenen Meer fast unweigerlich den Untergang. Bis auf den Geschwaderführer Charles Taylor waren alle Piloten von „Flight 19“ Anfänger, und Taylor selbst flog noch nicht lange im Seegebiet östlich von Florida. Zudem herrschte am Tag des Verschwindens schwere See. Und die Avenger – Spitzname „Eisenvogel“ – war aufgrund ihres Gewichts für eine Notwasserung völlig ungeeignet.

Trotzdem begründete „Flight 19“ die Legende vom Bermuda-Dreieck, an der sich Ufologen und Verschwörungstheoretiker seither abarbeiten. Glaubt man der nüchternen Statistik, ist die vermeintliche „Todeszone“ allerdings genauso sicher wie viele andere Meeresgebiete: Eine Überprüfung der Schadensfälle im Archiv des weltgrößten Schiffsversicherers, Lloyd’s in London, erbrachte im Jahr 1975 jedenfalls keine Belege für eine auffällige Häufung von Katastrophen in diesem Seegebiet.

Die Zählebigkeit der Bermuda-Legende belegt vor allem eins: Die morbide Faszination, die vom spurlosen Verschwinden riesiger Hightech-Maschinen ausgeht. Seit den Tagen der frühen Flugpioniere beschäftigen Geschichten über verschollene Flugzeuge die Phantasie der Menschen. Vor allem dann, wenn sich Prominente an Bord der verschwundenen  Maschine befanden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×