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03.10.2011

21:37 Uhr

Verstorbener Nobelpreisträger

„Steinman war ein Visionär und Vorbild“

Er forschte an Immunzellen. Er bekam Krebs und verlängerte sein Leben mit einer Therapie, die auf seinen Arbeiten basierte. Doch kurz vor der Krönung seines Forscherlebens starb Ralph Steinman.

Medizin-Nobelpreisträger Ralph Steinman wird posthum ausgezeichnet. AFP

Medizin-Nobelpreisträger Ralph Steinman wird posthum ausgezeichnet.

New YorkNur drei Tage fehlten dem 68-jährigen Immunologen Ralph Steinman, um die höchste Ehre seiner langen Forscherkarriere zu erleben. Er starb am Freitag an den Folgen einer Krebserkrankung. Rund 72 Stunden später krönte Stockholm seine Arbeit mit der Zuerkennung des Nobelpreises. 

Den Statuten der Nobelstiftung zufolge darf diese hohe Auszeichnung eigentlich nicht posthum zuerkannt werden. Nach stundenlangem Ringen erklärte die Stiftung am Montagabend jedoch, das Verbot der posthumen Auszeichnung beziehe sich nur auf eine bewusst in diesem Sinne getroffene Wahl. Die Juroren hatten von dem Tod Steinmans jedoch nichts mitbekommen. Sein anteiliges Preisgeld von umgerechnet 550.000 Euro erhalten nun seine Angehörigen. 

Steinmans Kollege und Nobelpreisträger Günter Blobel sprach von einer „tragischen Folge“. Blobel, der ebenso wie Steinman bisher der Rockefeller Universität in New York angehört, hatte die höchste Auszeichnung für Mediziner 1999 erhalten. Er beschrieb den gebürtigen Kanadier Steinman als „großartigen Forscher und wundervollen Menschen“. 

Großes Lob erntete Steinman auch von einem anderen deutschen Kollegen, Thomas Boehm vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. „Herr Steinman hat Bahnbrechendes geleistet“, sagte Boehm kurz vor Erhalt der Todesnachricht. Er rühmte Steinman als „intellektuelle Führungspersönlichkeit“. 

Blobel gehörte nach eigenen Worten nicht zum engsten Kreis um Steinman. „Aber wir sprachen bei Konferenzen und bei Begegnungen auf dem Flur. Ich bin seit den 1950er Jahren bei Rockefeller, Steinman kam in den 1960er Jahren. Er habe den Kollegen, dessen Krankheit seit längerem bekannt war, noch vor einigen Wochen gesehen: „Er wirkte ganz in Ordnung“. 

Blobel hielt sich am Montag in Italien auf, dem Heimatland seiner Frau. Er hatte die Nachricht von der Zuerkennung des Preises für einen weiteren Rockefeller-Forscher mit großer Freude aufgenommen. „Die zweite Nachricht von Steinmans Tod hat mich sehr traurig gestimmt“, sagte er. Er beschrieb seinen Rockefeller-Kollegen als „besonders rücksichtsvoll und sanft. Er war ein einziges Vorbild. Ungeachtet seiner schweren Krankheit blieb er positiv und konstruktiv. Ich habe ihn nie bedrückt erlebt“. 

Eine Sprecherin der Rockefeller Universität bestätigte, dass bei Steinman vor etwa vier Jahren Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden war. Mit einer selbstentwickelten Immuntherapie, die auf den von ihm entdeckten dendritischen Zellen basiert, „konnte er sein Leben um Jahre verlängern“, sagte die Sprecherin. 

Der Präsident der Universität, an der Steinman bis zu seinem Tod im Alter von 68 Jahren gearbeitet hatte, begrüßte die Ehrung des Zellbiologen für seine „bahnbrechenden Entdeckungen zu den Abwehrreaktionen des Körpers“. Allerdings sei die Nachricht „bittersüß“, sagte Marc Tessier-Lavigne. Auch die Universität habe erst an diesem Morgen von Ralphs Familie erfahren, dass er gestorben sei. 

Steinmans Tochter Alexis wurde von der Universität mit den Worten zitiert: „Wir sind alle so berührt, dass die vieljährige harte Arbeit meines Vaters für den Nobelpreis ausgewählt wurde. ... Er wäre zutiefst geehrt“.

Von

dpa

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