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01.02.2016

11:39 Uhr

Viren-Furcht in Brasilien

Offenbar mehr Abtreibungen wegen Zika-Virus

Die Ausbreitung des Zika-Virus in Brasilien sorgt offenbar für mehr Schwangerschaftsabbrüche. Über einen entsprechenden Anstieg der Abtreibungszahlen berichtet eine brasilianische Zeitung.

Die Stechmücke Aedes aegypti überträgt das Zika-Virus, aber auch andere Krankheitserreger. ap

Aedes-Stechmücken in einer Petrischale

Die Stechmücke Aedes aegypti überträgt das Zika-Virus, aber auch andere Krankheitserreger.

Rio de JaneiroWegen der Ausbreitung des Zika-Virus gibt es in Brasilien einem Zeitungsbericht zufolge deutlich mehr Abtreibungen. Die Zeitung „Folha de São Paulo“ zitiert mehrere Ärzte, dass bei ihnen Frauen, die sich mit Zika infiziert haben, um eine anonyme Abtreibung gebeten hätten.

Die Schwangeren seien in der Regel verheiratet, hätten ein hohes Bildungsniveau, gute finanzielle Bedingungen und wollten ein Kind. Doch nun seien sie verzweifelt wegen der Möglichkeit, dass das Baby mit Fehlbildungen geboren wird, hieß es unter Berufung auf die Ärzte.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Das von der Moskitoart Aedes aegypti übertragene Zika-Virus steht im Verdacht, durch eine Infektion von Schwangeren bei deren Embryonen Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) auszulösen, die zu geistiger Behinderung führen können. Eine private Abtreibung kostet in Brasilien bis zu 15.000 Real (3460 Euro) – einige Frauen würden erst gar nicht die Prognose abwarten, ob das Baby wirklich mit Mikrozephalie auf die Welt kommen würde, heißt es in dem Bericht.

In Brasilien gibt es bisher gut 4000 Verdachtsfälle für Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen. Allerdings konnte erst in sechs Fällen von Mikrozephalie definitiv nachgewiesen werden, dass sich die Frauen zuvor mit Zika infiziert hatten.

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