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16.05.2012

10:30 Uhr

Vögel

Freundschaft zählt beim Singenlernen mehr als Verwandschaft

Vögel lernen ihre Lieder vom sozialen Vater - nicht dem biologischen. Zumindest bei einem australischen Singvogel ist die soziale Nähe zwischen Erzieher und Jungtier wichtiger als die biologische.

Ein australischer Türkisstaffelschwanz (Malurus splendens). Beim Singenlernen zählt bei den Vögeln Freundschaft mehr als Verwandtschaft. dpa

Ein australischer Türkisstaffelschwanz (Malurus splendens). Beim Singenlernen zählt bei den Vögeln Freundschaft mehr als Verwandtschaft.

LondonBeim Singenlernen zählt Freundschaft mehr als Verwandtschaft. Zumindest bei einem australischen Singvogel ist die soziale Nähe zwischen Erzieher und Jungtier wichtiger als die biologische. Das berichten amerikanische Biologen in den „Proceedings“ der britischen Royal Society.

Beim Gesang der Vögel einer Art gibt es lokale Dialekte, erlernte Variationen und häufig sogar Unterschiede zwischen eng benachbarten Gruppen. Einige Forscher gehen davon aus, dass ein spezieller Gesang nicht nur helfen soll, die Arten zu erkennen und Weibchen anzulocken, sondern auch den Zusammenhang kleinerer sozialer Gruppen zu festigen.

Um diese Hypothese zu prüfen untersuchte Emma Greig von der US-amerikanischen Cornell Universität in Ithaka die Gesänge des Türkis-Staffelschwanzes (Malurus splendens) in Australien. Dieser kleine, leuchtend blaue Vogel hat ganz besondere Gewohnheiten: Zwar brütet wie gewöhnlich jeweils ein Vogelpaar, doch lässt sich dieses meist von einem oder zwei weiteren Männchen bei der Aufzucht helfen, die zum Ausgleich bis zur Hälfte des Nachwuchses mit der Mutter beisteuern dürfen.

Am Verhalten der Tiere lassen sich deutlich soziale Väter der einzelnen männlichen Jungen erkennen, die durchaus nicht gleichzeitig auch die durch genetische Tests erkennbaren biologischen Väter sind. Greig und ihre Kollegen untersuchten nun die Gesänge von sozialen und biologischen Vater-Sohn-Paaren mittels ausgefeilter Tonanalyse und statistischer Methoden und fanden, dass die soziale Nähe der Tiere entscheidender ist als die biologische Verwandtschaft.

Dies bedeutet, dass die Jungen unabhängig von der genetischen Verwandtschaft ihre speziellen Lieder von ihrem Erzieher lernen. Das sei zudem ein deutlicher Hinweis auf die Rolle des Gesangs als Mittel der sozialen Bindung in der Gruppe, schreiben die Biologen.

Von

dpa

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