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18.08.2014

13:52 Uhr

Vor 20 Jahren starb Linus Pauling

Chemie-Genie und Friedenskämpfer

Nur ein Mensch hat bisher zwei ungeteilte Nobelpreise bekommen: der vor 20 Jahren verstorbene Linus Pauling. Der Chemiker setzte sich mit Elan gegen Atomwaffentests ein, und wurde für beide Leidenschaften ausgezeichnet.

Linus Pauling während einer Vortragsreise bei seiner Ankunft in Paris im Juni 1957. Der amerikanische Chemiker wurde am 28.2.1901 in Portland (Oregon) geboren und starb am 20.8.1994 in Big Sur (Kalifornien). Pauling gilt als Begründer der Quantenchemie. dpa

Linus Pauling während einer Vortragsreise bei seiner Ankunft in Paris im Juni 1957. Der amerikanische Chemiker wurde am 28.2.1901 in Portland (Oregon) geboren und starb am 20.8.1994 in Big Sur (Kalifornien). Pauling gilt als Begründer der Quantenchemie.

Der Zweite Weltkrieg veränderte das Leben von Linus Pauling. Die verheerenden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki 1945 machten aus dem bis dahin unpolitischen Chemie-Genie einen leidenschaftlichen Pazifisten und Kämpfer für den Frieden.

Den Vereinten Nationen überreichte er 1958 eine Petition gegen den Atomkrieg mit Unterschriften von mehr als 11.000 Wissenschaftlern aus aller Welt. Kurz darauf erscheint sein aufrüttelndes Buch „No More War“, das zum Bestseller wurde.

1962 wurde Pauling für seinen Einsatz mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet - acht Jahre zuvor hatte er bereits den Chemienobelpreis erhalten. Bis heute ist Pauling, der vor 20 Jahren am 19. August starb, der einzige Mensch auf der Welt, dem zwei ungeteilte Nobelpreise verliehen wurden.

Der Pazifist und leidenschaftliche Wissenschaftler war bis zu seinem Tod im Alter von 93 Jahren geistig fit und arbeitswütig. Bis zuletzt forschte er an dem 1973 von ihm gründeten Linus-Pauling-Institut für Wissenschaft und Medizin im kalifornischen Palo Alto.

Auch der Friedensbewegung blieb er treu. „Sie können diese Katastrophe abwehren“, beschwor er den damaligen US-Präsidenten George Bush in einem offenen Brief nach Ausbruch des ersten Irak-Kriegs. „Beginnen Sie Verhandlungen mit Saddam Hussein!“

Mit seinem Tod habe die Welt einen der „größten Wissenschaftler und Menschenfreunde“ verloren, heißt es auf der Webseite der Universität von Oregon.

Geboren wurde Pauling, dessen Vorfahren aus Freiburg stammten, am 28. Februar 1901 in Portland im US-Bundesstaat Oregon. Nach der Schule studierte er an verschiedenen Universitäten in Oregon und Kalifornien und ging nach der Promotion mit einem Stipendium nach Europa, wo er die meiste Zeit in Arnold Sommerfelds Institut für theoretische Physik in München verbrachte. 1927 begann seine lange Karriere als Lehrer und Forscher am California Institute of Technology.

Er beschäftigte sich zunächst mit der Struktur chemischer Verbindungen, der er praktisch mit Hilfe von Röntgenstrahlen und theoretisch durch Anwendung der Prinzipien der Quantenmechanik auf die Spur zu kommen suchte. Sein Buch „The Nature of the Chemical Bond“ (Die Natur der chemischen Bindung) gilt als eines der wichtigsten wissenschaftlichen Werke des 20. Jahrhunderts.

Unter anderem entwickelte er die sogenannte Valenzbindungstheorie in organischen Verbindungen. Später verlagerten sich seine Aktivitäten auf biologische und medizinische Bereiche wie die Erforschung der Sichelzellen-Anämie, einer Blutkrankheit.

Für seine Arbeiten über die atomaren Bindungskräfte in Eiweißmolekülen wurde er 1954 mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt. Es war das erste Mal, dass er wieder ins Ausland reisen durfte, nachdem die US-Regierung in den 50er Jahren mit der Verweigerung eines Reisepasses auf sein Engagement gegen den Atomkrieg reagiert hatte.

Seine Frau Ava Helen Miller, die Pauling im Studium kennengelernt und 1923 geheiratet hatte und mit der er drei Söhne und eine Tochter bekommen sollte, war ebenfalls politisch aktiv und unterstützte den Pazifisten stets in seinem Engagement.

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