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14.10.2015

11:02 Uhr

Waffengewalt in den USA

Gewaltforschung in der Sackgasse

Waffengewalt ist in den USA ein großes Problem. Dennoch gibt es kaum staatliche Mittel für die Erforschung von Ursachen und Wegen zur Verhütung. Mächtige Lobbyisten haben einen ganzen Forschungszweig lahmgelegt.

US-Schauspieler Charlton Heston auf einer Veranstaltung der National Rifle Association im Jahr 2002. Heston war lange Jahre Präsident der mächtigen Organisation der Waffenbesitzer. ap

Mächtige Lobbyorganisation

US-Schauspieler Charlton Heston auf einer Veranstaltung der National Rifle Association im Jahr 2002. Heston war lange Jahre Präsident der mächtigen Organisation der Waffenbesitzer.

New YorkImmer wieder Tote durch Waffengewalt in den USA, immer wieder tödliche Amokläufe. Da sollte man eigentlich annehmen, dass es jede Menge Forschung gibt, um herauszufinden, wie das Übel bei den Wurzeln zu packen ist. Aber wer das glaubt, liegt falsch.

Waffenlobbyisten, die nicht wollen, dass es Beschränkungen beim Besitz von Pistolen oder Gewehren gibt, haben es geschafft, staatliche Forschungsprogramme und die finanziellen Aufwendungen dafür zu begrenzen. So ist das, was die Regierung für Untersuchungen der Ursachen von Waffengewalt ausgibt, weiterhin äußerst geringfügig.

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Nach der Schießerei an einem US-College stehen die Menschen unter Schock. Auch US-Präsident Obama wirkt fassungslos – und appelliert an sein Volk, endlich die Waffengesetze zu verschärfen.

Wie es aussieht, fließen jährlich weniger als fünf Millionen Dollar (4,4 Millionen Euro) in entsprechende Projekte. Ein Zuschuss für eine einzelne Studie etwa in den Gebieten Autismus, Krebs oder Aids kann dagegen mehr als doppelt so hoch ausfallen.

Es gibt Studenten der Gesundheitswissenschaften, die mehr darüber herausfinden möchten, was hinter der wachsenden Zahl von Suiziden mit Waffen steckt oder Blutbädern wie dem jüngsten an einem College in Oregon mit insgesamt zehn Toten. Aber viele junge Forscher meiden dieses Feld.

Gewaltforscher erhalten Morddrohungen

Manche glauben schlicht nicht, dass der Washingtoner Kongress bedeutende Schritte zur Verringerung der Waffengewalt unternehmen wird – egal, was bei den Studien herauskommt. Und die Arbeit ist stressig. Viele, die sich mit dem Thema beschäftigen, haben nach eigenen Angaben zornige E-Mails oder gar Morddrohungen von Befürwortern uneingeschränkten Waffenbesitzes erhalten.

Dabei gehört Waffengewalt in den USA derzeit zu den fünf häufigsten Todesursachen von Menschen im Alter bis zu 64 Jahren, wie die Seuchenkontrollbehörde CDC berichtet. Die Zahl der Todesfälle durch Schüsse ist mit etwa 32.000 im Jahr ziemlich konstant geblieben. Aber während die Rate von Mord und versehentlichen Tötungen mit Waffen zurückgegangen ist, ist die Zahl von Suiziden – etwa 60 Prozent der gesamten Todesfälle durch Waffen –  gestiegen. Und nicht tödliche Verletzungen durch Schüsse kommen so häufig vor wie seit 20 Jahren nicht mehr.

US-Gesundheitsforscher fingen vor rund 30 Jahren an, sich intensiver mit der Waffengewalt zu beschäftigen, nachdem die Zahl der Tötungen durch Schusswaffen rapide angestiegen war. „Die Grundfrage lautet: Wenn es kein Problem der öffentlichen Gesundheit ist, warum sterben dann so viele Menschen?“, sagt Philip Cook von der Duke University, der in den 1970ern mit der Erforschung der Auswirkungen von Waffen auf die Gesellschaft begann.

Die CDC übernahm frühzeitig die Führungsrolle bei der Förderung verstärkter Studien. Aber dann trat die National Rifle Association (NRA) auf den Plan, die mächtige Organisation der Waffenbesitzer. Sie begann damit, von der CDC finanzierte Studien zu diskreditieren, warf der Behörde und von ihr gestützten Forschern Inkompetenz und Verfälschung von Daten vor.

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