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08.03.2016

22:22 Uhr

Warnung der WHO

Zika-Virus immer öfter durch Sex übertragen

Immer mehr Menschen infizieren sich durch sexuelle Kontakte mit dem Zika-Virus. WHO-Chefin Chang warnt: Der Anstieg von Geburtsfehlern und neurologischer Probleme sei besorgniserregend.

„Nur eine von verschiedenen möglichen Anomalien.“ AP

Baby mit Mikrozephalie

„Nur eine von verschiedenen möglichen Anomalien.“

GenfEine sexuelle Übertragung des Zika-Virus kommt häufiger vor als bislang angenommen. Dies legten Berichte und Untersuchungen in mehreren Ländern nahe, teilte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan, am Dienstag in Genf mit. Es gebe zudem zunehmende Beweise, dass ein Anstieg besorgniserregender Geburtsfehler und neurologischer Probleme durch das Virus verursacht werde, erklärte die WHO.

Zika wird größtenteils durch Mückenstiche übertragen. Die USA untersuchen derzeit mehr als ein Dutzend möglicher Fälle von Zika bei Personen, die sich durch Sex mit dem Virus infiziert haben könnten. Werdende Mütter, deren Sexualpartner in betroffenen Gebieten lebten, sollten während der Schwangerschaft nur geschützten Geschlechtsverkehr haben.

Laut Chan haben inzwischen neun Länder eine Zunahme von Fällen des sogenannten Guillain-Barré-Syndroms gemeldet. Dabei handelt es sich um eine seltene Krankheit, die zu einer vorübergehenden Lähmung und zum Tod führen kann. Mit Zika in Verbindung gebracht Probleme, darunter das Guillain-Barré-Syndrom, würden nun nicht mehr nur bei Frauen im gebärfähigen Alter festgestellt, sondern auch bei Kindern, Teenagern und älteren Erwachsenen, sagte Chan.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Für Schwangere ist das Zika-Virus gefährlicher als bisher angenommen. Neue Forschungen zeigten, dass der Erreger möglicherweise nicht nur als Ursache für Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen (Mikrozephalie) gelten müsse, sondern auch eine Rolle bei anderen neurologischen Störungen spiele. „Mikrozephalie ist nur eine von verschiedenen möglichen Anomalien“, sagte Chan. Das Virus finde sich in Blut und Hirngewebe von lebend oder tot geborenen Föten. Grund zu großer Sorge sei außerdem, dass der Erreger häufiger als bisher angenommen durch Geschlechtsverkehr übertragen werden könne. „Das ist alarmierend“, sagte die WHO-Direktorin.

Die WHO hatte wegen der Ausbreitung des Zika-Virus vor allem in Brasilien vor fünf Wochen den globalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. Zika ist bisher in mehr als 50 Ländern nachgewiesen worden. Das Virus wird vor allem von Stechmücken übertragen.

Auch ohne letzten wissenschaftlichen Beweis zu Zika als Ursache für Schädelfehlbildungen gelte es zu handeln, sagte Chan. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich Zika ähnlich ausbreite wie das Dengue-Fieber. An den grippeähnlichen Symptomen von Dengue erkranken jährlich schätzungsweise 50 bis 100 Millionen Menschen.

Zika-Virus: WHO legt Aktionsplan zur Viren-Bekämpfung vor

Zika-Virus

WHO legt Aktionsplan zur Viren-Bekämpfung vor

In Zeiten von Klimawandel und Globalisierung könnte das Zika-Virus zu einem weltweiten Problem werden, warnt die WHO in einem aktuellen Bericht. Ein 50 Millionen Euro teurer Aktionsplan soll Abhilfe schaffen.

Es liege in der Verantwortung eines jeden Staates, betroffene Gebiete genau zu bezeichnen, sagte der Vorsitzende des Notfall-Komitees, David Heymann. „Und es liegt in der Verantwortung der Frauen zu entscheiden, ob sie reisen wollen oder nicht.“ Die WHO hat bisher auf eine generelle Reisewarnung verzichtet. Allerdings warnte sie nun Schwangere davor, in betroffene Gebiete zu reisen.

Die Expertenkommission empfahl, gegen die Ausbreitung der krankheitsübertragenden Moskitos „mit besonderer Dringlichkeit“ zu kämpfen. Allerdings stünden von den benötigten 65 Millionen Dollar (59 Millionen Euro) erst 3 Millionen Dollar zur Verfügung.

Zika ist als Erreger bereits seit fast 70 Jahren bekannt. Die Krankheit hatte aber bisher noch nie solche gravierenden Folgen. Allein in Brasilien werden 4222 Verdachtsfälle von Schädelfehlbildungen untersucht. In 82 von 641 eindeutigen Mikrozephalie-Fällen war bei den Müttern eine Ansteckung mit Zika nachgewiesen worden.

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