Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.08.2014

17:04 Uhr

Was geschieht bei einem Ebola-Verdacht?

Zwei lange Stunden im Job-Center

Bis zu 800 Menschen mussten am Dienstag in einem Berliner Job-Center ausharren. Eine Frau stand im Verdacht, mit Ebola infiziert zu sein. Trotz Entwarnung: Bei den Betroffenen bleibt ein ungutes Gefühl zurück.

Polizistin und Mädchen vor dem Job-Center in Berlin: Die Menschen hätten nicht gewusst, was los sei. dpa

Polizistin und Mädchen vor dem Job-Center in Berlin: Die Menschen hätten nicht gewusst, was los sei.

BerlinFeuerwehrleute und Polizisten tragen Mundschutz. Hunderte Menschen sitzen in einem Berliner Job-Center fest. Anspannung liegt in der Luft. Ein Mann schlägt von innen gegen die Scheibe der Drehtür. „Lasst mich raus“, schreit er. Doch das Job-Center im Bezirk Pankow ist abgeriegelt –wegen eines Ebola-Verdachts. Eine 30-jährige Frau, die acht Tage zuvor in Nigeria gewesen sei, habe Symptome der tödlichen Infektionskrankheit wie hohes Fieber gezeigt, sagt ein Sprecher der Feuerwehr.

Eine 46 Jahre alte Berlinerin, die am Dienstagvormittag in das Center ging, berichtet: Sie habe das Gebäude gerade wieder verlassen wollen – da seien die Türen geschlossen worden. Die Menschen hätten nicht gewusst, was los gewesen sei und auf den Treppen gewartet.

Erst als es unruhig wurde und einige lautstark Auskunft verlangten, habe jemand die Wartenden informiert: Es sei eine Vorsichtsmaßnahme, wahrscheinlich habe ein Besucher eine Infektionskrankheit. Ein komisches Gefühl sei das gewesen, aber Angst habe sie nicht gehabt, erzählt die Frau.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Schätzungsweise 600 bis 800 Menschen waren nach Angaben der Feuerwehr in dem Gebäude, als der Alarm ausgelöst wurde. Wer den Notruf wählte, war unklar: Wegen einer Übung waren die Computer in der Leitstelle der Feuerwehr heruntergefahren. Alles sei zu Trainingszwecken nur auf Zetteln notiert worden, sagte ein Sprecher.

In Westafrika hat die Ebola-Epidemie schon mehr als 1200 Menschen das Leben gekostet. Eine Einschleppung nach Europa gilt aber als unwahrscheinlich. In Deutschland hat sich bisher keiner der Verdachtsfälle bestätigt. Auch bei der Berliner Patientin sei das unwahrscheinlich, teilte die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung mit.

In dem Gebiet, in dem die Frau gewesen sei, sei bislang niemand an Ebola erkrankt. Experten der Charité gingen am Nachmittag davon aus, dass das Fieber der Frau mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von Ebola stammt.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Rall

19.08.2014, 18:41 Uhr

***Wer den Notruf wählte, war unklar: Wegen einer Übung waren die Computer in der Leitstelle der Feuerwehr heruntergefahren. Alles sei zu Trainingszwecken nur auf Zetteln notiert worden, sagte ein Sprecher.***

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Da wird ein System abgeschaltet das Leben retten soll, weil, ja warum eigentlich? Wollte der Verantwortliche sehen, ob die Berliner Feuerwehr des Schreibens mächtig ist? Für einen aussagekräftigen Test hätten gerade die Computer der Leitstelle, zum Abgleich der handschriftlichen Daten, alles protokollieren müssen!

So bleibt mir nur eine Frage. Starben Menschen, weil Rettungswagen mit Notarzt zu spät eintrafen?

Das ganze ist ein Fall für den Staatsanwalt.Hier wurden bewusst Retungssysteme ausser Kraft gesetzt und in Kauf genommen dass es Tote gibt. Für einen Schreibtest!

Herr Hauke Pengel

19.08.2014, 21:18 Uhr

Ich musste mir den Satz auch ein zweites Mal durchlesen.

Wie können denn in einer Großstadt die Computer in der Leitstelle der Feuerwehr für eine Übung heruntergefahren werden? Und dann werden "Zettel" für die Dokumentation verwendet? Ich bin kein Fan von Was-währe-wenn-Szenarios, allerdings finde ich das schon etwas fragwürdig.

Eigentlich sind das die viel interessanteren Nachrichten, im Jobcenter ist ja scheinbar nichts passiert.

Kann das jemand aufklären?

Herr Beat Zwahlen

19.08.2014, 21:35 Uhr

Es ist immer das gleiche Spiel. Liebe Leute wachet auf!!! Die amerikanische Gesundheitsbehörde hatte verboten den neuen Impfstoff an Menschen zu testen. Nun machte die Pharmalobby eine riesige Angststory bis das Verbot wieder aufgehoben wurde .... Merken Sie was?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×